Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 07.10.2003
Jan-Heiner Tück bringt in seiner Besprechung scharfe Kritik am Gros der zeitgenössischen Theologie unter, um diese dann in ein umso größeres Lob an Eberhard Jüngel umzumünzen: Während sich viele Vertreter der christlichen Religionslehre vor allem durch "Diskursanleihen" bei der weltlichen Philosophie hervortäten, sei Jüngel ein strahlendes Vorbild für die Konzentration auf das Eigentliche, das Wort Gottes. Der fünfte Teil seiner "Theologischen Erörterungen" versammle Texte zu einer Vielfalt von Themen, die aber immer wieder darum kreisten, "wie der Mensch mit sich und den anderen durch Gott ins Reine kommen kann", unfähig, wie er sei, aus sich selbst heraus zur erstrebten Ganzheit zu gelangen. Jüngels Antwort: Gottes Wort der Gnade, gesprochen in Jesus Christus. Durch die Erfahrung der Gnade werde der Mensch "befreit von dem Zwang, sich selbst der Nächste sein zu müssen", denn das sei ja Gott. Der Kirche komme nun die Aufgabe zu, diese Gnade darzustellen, um dem gestressten Zeitgenossen eine "elementare Unterbrechung" im ständigen Leistungsdruck zu verschaffen. Jüngels Buch, schreibt Tück, ist "von der ersten bis zur letzten Seite spannend zu lesen" und hat auch "beherzte Polemik" zu bieten - zum Beispiel gegen solche, die sich fremder Sprache bedienen.
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