Das alte Gaswerk an der Greifswalder Straße versorgte den Norden Berlins mehr als 100 Jahre lang mit Gas. Mit ihren Schornsteinen und Gasometern prägte die gewaltige Industrieanlage das Antlitz des Prenzlauer Bergs. 1981 wurde die "Dreckschleuder" stillgelegt und demontiert. An ihre Stelle trat ein mustergültiges Wohnviertel nach den Idealen der realsozialistischen Architektur - mit Plattenhochhäusern und Kindergärten, Schule und Schwimmhalle, Klubgaststätte samt Jugendclub, einem Planetarium und dem gigantischen Ernst-Thälmann-Denkmal. Eberhard Klöppel hat diesen Prozess industrieller Konversion im realen Sozialismus ein ganzes Jahrzehnt lang beobachtet und in Bildern festgehalten: die Architektur der gründerzeitlichen Industrieanlage, die schwere, gesundheitszerstörende Arbeit der Gaswerker, die Sprengungen der Schornsteine und Gasometer, den Bau der neuen Häuser und des Thälmann-Denkmals und nicht zuletzt das neue Leben, das sich in diesem sozialistischen Musterpark entfaltete.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.11.2010
Begeistert zeigt sich Gustav Seibt von den "klassisch-schönen" Fotos, die Eberhard Klöppel vom letzten großen städtebaulichen Projekt in Ost-Berlin gemacht hat. Der von Mathias Bertram herausgegebene Band dokumentiert für ihn in beeindruckenden Aufnahmen den Abriss des Gaswerks aus der Kaiserzeit und die Errichtung der Wohnanlage im Ernst-Thälmann-Park zwischen Greifswalder Straße, Prenzlauer Allee und heutiger Danziger Straße in Berlin, Prenzlauer Berg, in den Jahren 1978 bis 1987. Doch nicht nur als Dokument der Berliner Stadtgeschichte hat der Band Seibt fasziniert, sondern auch als Kunstwerk. Ihre Intensität bezieht diese Langzeitbeobachtung in seinen Augen auch daraus, dass der Fotograf Klöppel ein ganzes Jahrzehnt mit dem Viertel und seinen Menschen gelebt hat.
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