Herausgegeben von Bernd Heise und Annette Tietz. Roger Melis, der sich bereits 1968 ein Atelier im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg eingerichtet hatte, startete im Herbst 1988 eine "Exkursion in die Nachbarschaft". Fast ein Jahr lang besuchte er junge Künstler und Autoren, die sich in den 1980er Jahren ebenfalls in dem heruntergekommenen Arbeiterbezirk niedergelassen hatten und dort ihrer künstlerischen Arbeit nachgingen, teils in Abkehr vom offiziellen Kunstbetrieb, teils an seinem Rande. Selbst unzufrieden mit den erstarrten Verhältnissen, suchte Melis bei den Vertretern der jüngeren Generation nach neuen Impulsen und porträtierte Maler, Grafiker, Bildhauer, Komponisten, Dichter, Fotografen und Musiker als Protagonisten einer subkulturellen Aufbruchsbewegung. Der rebellische Gestus ihrer Arbeiten inspirierte auch ihn, neue Wege in seinen Porträts zu beschreiten, Räumen und Hintergründen größeres Gewicht als sonst zu geben. Erste Bilanz seiner Arbeit war eine Ausstellung in der Berliner Galerie "M", die passenderweise am Vorabend der Berliner Herbstdemonstrationen eröffnet wurde und noch den befreienden Fall der Mauer erlebte. In dem vorliegenden Buch, das anlässlich zweier Retrospektiven seines Werkes erscheint, ist die Serie erstmals wieder im Zusammenhang zu sehen und wird von Texten des Kunsthistorikers Eugen Blume und des Dichters Uwe Kolbe begleitet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.11.2024
Rezensent Arno Widmann hat die Porträtfotos des DDR-Fotografen Roger Melis immer geschätzt. Jetzt sieht er kritischer auf die Prominentenbilder in diesem Band. All die Aufnahmen von Elke Erb über Joachim Bayer bis Heiner Müller zeigen (Künstler-)Persönlichkeiten, daran hat Widmann keinen Zweifel. Aber handelt es sich auch um Persönlichkeiten, oder inszeniert Melis sie als solche? Widmann hat den Verdacht, dass Licht und Arrangement die Persönlichkeit sozusagen erst erschaffen. Vor 40 Jahren, als die meisten der Fotos entstanden, ein legitimer, allerdings utopischer Befreiungsversuch vom Zwang der Nivellierung, meint Widmann, aber eben doch eine Inszenierung. Über die Verstrickung vieler Prenzlberg-Künstler in den Stasisumpf liest er im Band leider och nüscht.
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