Der Weg zur bundesrepublikanischen Erinnerung 1948 ? 1990 Hat die Bundesrepublik Deutschland eine Geschichte, eine eigenständige historische Identität? Edgar Wolfrum rekonstruiert die verschiedenen Stufen, die zu einer spezifisch bundesrepublikanischen Erinnerung führten, wohl wissend, dass die Entwicklungen und Brüche im kollektiven Gedächtnis stets auch politisch motiviert sind.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.12.1999
Klaus Naumann zeigt sich äußerst angetan von Wolfrums Darstellung, in der die Funktionalisierung des 17. Juni 1953 im Zentrum steht. Wolfrum gelinge sehr gut aufzuzeigen, welche Bedeutung die einzelnen Parteien, besonders in den fünfziger Jahren, den Gedenkfeiern zum 17. Juni zugewiesen und welche Argumentationsstrategien dabei eine Rolle gespielt haben. Dabei hebt Naumann anerkennend hervor, dass sich der Autor nicht nur auf eine reine Darstellung beschränkt: Sie wird ergänzt durch "begriffliche wie methodische Reflexionen", in denen Wolfram auch die Probleme mit dem Selbstverständnis der Deutschen als "Nation" beleuchtet. Sehr deutlich zeige Wolfrum die Gratwanderung, die sich in der Abgrenzung zum NS-Regime und gleichzeitig dem Bekenntnis zur deutschen Geschichte ergab. Darüber hinaus zeichne Wolfrum in seiner Darstellung deutlich die "Schlüsseldebatten der frühen sechziger Jahre" nach und die Hinwendung zu einem bundesrepublikanischen Selbstverständnis, in dem die Idee vom "Nationalstaat" in den Hintergrund getreten ist.
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