Aus dem Amerikanischen von Max Schroeder, Otto Wilck und Hans-Christian Oeser. Ergänzt durch einen biografischen Essay von Caroline Würfel. Diese erstaunliche Geschichte über die Frauen, die während des Zweiten Weltkrieges die Jobs der Männer übernehmen, um das gesellschaftliche Leben aufrechtzuerhalten, basiert auf wahren Hintergründen - die Autorin selbst war eine von ihnen. Worauf beruht eigentlich die uralte Vorstellung von der Überlegenheit der Männer?, fragen sich die jungen Frauen hier am Bahnhof von Port Empire, New Jersey, USA. Anstelle ihrer abwesenden Männer, Brüder und Söhne sind sie es, die den Eisenbahnverkehr am Laufen halten. Argwöhnisch werden sie von den verbliebenen männlichen Kollegen empfangen. Ihnen werden die am schlechtesten bezahlten Fahrten angedreht und spezielle Dienstvorschriften aufgezwungen, die nichts als Schikane sind. Und dann werden die Schaffnerinnen auch noch gegeneinander ausgespielt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 27.04.2024
Kritikerin Cosima Mattner freut sich, dass der Debütroman der deutsch-amerikanischen Autorin Edith Anderson nach fast siebzig Jahren wieder in einer neuen Übersetzung vorliegt: Es geht um Frauen, die den Fachkräftemangel im Zweiten Weltkrieg mit ihrer Arbeit bei der Bahn ausgleichen sollen. Klischees zu arbeitenden Frauen werden nicht etwa vermieden, sondern genutzt, um zu zeigen, wie Kapitalismus und Sexismus zusammenhängen, erklärt Mattner. Anderson, die in den vierziger Jahren in die DDR ausgewandert war, hatte sich auch in ihrer weiteren Karriere immer wieder mit Fragen um Privilegien und Intersektionalität beschäftigt, erfahren wir, in diesem Roman werde der Grundstock dafür gelegt. Die Sprache ist in der Überarbeitung durch Hans-Christian Oeser nahe am Original belassen worden, um trotz störendenden Potentials, etwa des N-Worts, den zeitgeschichtlichen Charakter zu erhalten, fügt die Rezensentin noch an.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2024
Edith Anderson hat als junge Frau selbst bei der amerikanischen Eisenbahn gearbeitet, weiß Rezensent Tobias Döring, und über die Arbeitsbedingungen, insbesondere für Frauen, ihren ersten Roman geschrieben, der in der Originalsprache nie und auf Deutsch nun zum zweiten Mal erschienen ist. Dicht und lebendig beschreibt Anderson "Alltagsszenen aus der Arbeitswelt", in der die Frauen wenig Respekt erfahren, so Döring. Etwas unentschlossen springt der Roman sprachlich zwischen politischer Korrektheit von heute und 50er-Jahre Slang - der leider in der Übersetzung auch nicht ganz überzeugend rüberkommt, findet Döring. Das Leben der New Yorker Jüdin Anderson, die 1947 mit ihrem Mann in die DDR gekommen ist, um den sozialistischen Staat aufzubauen und die Intellektuellenkreise um Brecht und Seghers kennenzulernen, ist wohl doch spannender als ihr erster Text, schließt er.
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