Aus dem Englischen von Kathrin Kathrin Razum. "Ich war einmal ein Mädchen, aber ich bin es nicht mehr." Wie ihre Mitschülerinnen wurde Maryam von Boko-Haram-Kämpfern aus ihrer nigerianischen Schule an einen ihnen unbekannten Ort entführt. Mit ihrer Freundin Buki übersteht sie die höllische Gefangenschaft und gemeinsam gelingt ihnen die Flucht. Mit "tiefer, unverbrüchlicher Empathie" (Richard Ford) erzählt Edna O'Brien von einem langen Weg zurück ins Leben, von unvermuteter Hilfsbereitschaft und Mitgefühl. Den kriegerischen Wirren setzt sie die Schönheit der Natur entgegen und gibt der traumatisierten Seele ihre Würde zurück. Aber ist für Maryam überhaupt eine Heimkehr möglich, gibt es doch dort, wo sie einmal zuhause war, keine Sprache für das, was sie durchlebt hat?
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 15.05.2020
Rezensent Thomas David zeigt sich tief betroffen von Edna O'Briens neuem Roman. Die 90-jährige irische Autorin widmet sich hier - nach einer Recherchereise nach Nigeria - der Verschleppung der Schulmädchen durch Boko Haram im Jahre 2014. Mit Blick auf O'Briens Vorgängerromane liest David diese Geschichte, erzählt aus der Perspektive eines der Mädchen, als erneute Rückkehr der Autorin zu ihrem jugendlichen Selbst, das sich aus den familiären und gesellschaftlichen Zwängen des patriarchalen Irland der 1960er-Jahre kämpfen musste, und bewundert, wie schonungslos O'Brien auch in diesem Roman wieder gegen sämtliche Komfortzonen anschreibe; mit einer Sprache von der "Reinheit und Härte eines Diamantensplitters". Für den Rezensenten ein "Bekenntnis" einer großen Schriftstellerin und Zeugnis eines grenzüberschreitenden Mitgefühls, schließt David ehrfürchtig.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.03.2020
Rezensent Thomas Thiel ist beeindruckt von Edna O' Briens Roman über von den dschihadistischen Boko Haram entführte und gequälte junge Frauen. Schwer zu ertragen scheinen ihm die drastischen Schilderungen von Erniedrigung und Gewalt. Konterkariert und gemildert wird dieser Aspekt des Textes laut Rezensent durch poetische Naturbeschreibungen. Wenngleich mitunter nah am Kitsch überzeugt der Roman Thiel letztlich durch seine feine Figurenpsychologie, auch wenn O'Brien am Schluss nicht der Versuchung des Idyllischen widerstehen kann und ihren Text zu einer Heldengeschichte umbiegt. Die Opfer des dschihadistischen Terrors lassen Thiel auch nach der Lektüre nicht ruhen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 07.03.2020
In diesem Roman hat Irlands bekannteste Autorin den realhistorischen Fall der 276 nigerianischen Schülerinnen verarbeitet, die von der islamistischen Terrormiliz Boko Haram entführt wurden, erklärt Rezensentin Petra Pluwatsch. Edna O'Brien erzählt die Geschichte der Mädchen stellvertretend am Beispiel der fleißigen Schülerin Maryam, die nach der Entführung Folter und Vergewaltigung erlebt, mit einem der Gotteskrieger verheiratet wird und erst Jahre später mit ihrer Tochter fliehen kann, nur um in ihrem traditionellen Heimatdorf als Hure der Terroristen weiter gepeinigt zu werden, so Pluwatsch. Ein wichtiges Buch, das nicht nur von Gewalt und Terror, sondern auch "von der Stärke und dem Lebensmut von Frauen erzählt", schließt die ergriffene Rezensentin.
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