Der vorliegende Band umfasst 305 Briefe Mörikes, darunter 142 bisher nicht edierte und 19 nur zum Teil publizierte Schreiben. Zusätzlich konnten 78 Briefe erschlossen werden. Zu Beginn der hier repräsentierten Jahre wohnt der Pensionär Mörike in Lorch und steht in regem Austausch mit Stuttgart, wo seine Töchter zur Schule gehen. Mörike gewinnt immer mehr Verehrer, Briefpartner, Freunde; über ihn und sein Werk erscheint eine wachsende Zahl von Aufsätzen. Moritz von Schwind wird zu einem wichtigen Altersfreund. Mörike ist von dessen Kunst begeistert, und der Maler entwirft Illustrationen zu seinen Dichtungen. Junge Verleger bemühen sich um Mörikes Schriften. Aber die Bearbeitung des "Maler Nolten" kommt kaum voran und wird schließlich nicht fertig. Schwind stirbt, auch einige alte Freunde gehen zu früh dahin, unter ihnen Karl Wolff, Johannes Mährlen und David Friedrich Strauß. Mörike zieht nach Nürtingen und wieder zurück nach Stuttgart. Seine Ehe scheitert. Er bringt noch ein Buch heraus, eine "Prachtausgabe", "Die Historie von der Schönen Lau". Seine Gedichte werden in andere Sprachen übersetzt und fehlen in kaum einer Anthologie. Doch die bei Göschen geplante Ausgabe seiner Gesammelten Schriften kommt erst nach seinem Tod zustande.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 22.11.2007
Höchste Anerkennung zollt Rezensent Manfred Koch diesen beiden Teilbänden des neunzehnten Bands der Historisch-Kritischen Ausgabe mit Briefen Eduard Mörikes, die Regina Cerfontaine und Hans-Ulrich Simo herausgegeben haben. Der erste Teilband enthält nach Angaben Kochs die Briefe aus Mörikes letzten sieben Lebensjahren (1868-1875), der zweite Nachträge sowie das Register für die gesamte Edition der Briefe. Die Briefe zeigten den Dichter als "launigen Schmerzensmann", der sich immer wieder für sein langes Schweigen entschuldige, sich mit allerlei Beschwerden und Krankheiten rechtfertige, aber auch einen liebenswerten Humor und bisweilen einen beißenden Sarkasmus an den Tag lege. In poetologischen Fragen halte sich Mörike von wenigen Ausnahmen sehr bedeckt. Spürbar wird für Koch eine "verhaltene Trauer" über das Nachlassen der dichterischen Produktivität und das Schwinden der Kräfte. Besonders beeindruckt hat ihn der umfgangreiche kritische Apparat, der neben Überblicksdarstellungen auch eingehende Erläuterungen zu zahllosen lebens- und literaturgeschichtlichen Details aus Mörikes Leben bietet.
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