Mit einem Nachwort von jens Malte Fischer. Sie sind engelsgleiche Wesen, anmutig, graziös, sanft - Fürstinnen wissen, was sich schickt, und reifen in trägem Pathos ihrer exklusiven Bestimmung entgegen: der standesgemäßen Heirat. Wehe, ein adeliges Fräulein meint, dagegen aufbegehren zu müssen. Marie von Neustatt-Birkenstein ist so ein betrüblicher Fall. Sie ist nicht willens, wie ihre Schwestern Roxane und Eleonore den Prinz auf dem weißen Pferd erwarten. Ihre fixe Idee ist es vielmehr, "sich zu entwickeln". Mit zauberhafter Melancholie malt Eduard von Keyserling einmal mehr nuancenreiche Porträts einer dem Untergang geweihten Aristokratie, die sich gegen die Gebote der neuen Zeit mit moralischer Erstarrung wappnen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.08.2017
Eduard von Keyserlings Roman, so die berührte Rezensentin Rose-Maria Gropp, ist das "Zeugnis einer tiefen Resignation" angesichts der langsam, aber unaufhaltsam verfallenden Welt, in der die "Fürstinnen" sich trotz maroder Mauern gefangen sehen und einer neu erblühenden Welt, zu der es für sie keinen Zugang gibt. Das Alte, die Regeln und Standesnormen der untergehenden Aristokratie, hat immer noch genug Kraft, um die letzten Gefangenen, die verwitwete Fürstin und ihre Töchter in ihre Schranken zu weisen, das Neue, die Moderne interessiert sich nicht für sie, lesen wir. Die Modernität dieses Romans, der nun hundert Jahre nach der Ersterscheinung neu aufgelegt wurde, liegt nicht im Stoff und trotzdem schafft Keyserling es vor den Augen der staunenden Rezensentin, dem Leser seine komplexen Figuren nahe zu bringen und ihr Schicksal nachfühlbar zu gestalten, mit einer Sprache, die nie an sich zweifle.
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