Franziska zu Reventlow (1871-1918) war eine der schillerndsten Figuren der Münchner Boheme um 1900. Bekanntheit erlangte sie vor allem durch ihre turbulente Lebensweise und zahlreiche Liebhaber. Auch in ihrem autobiografisch geprägten Roman geht es Schlag auf Schlag "von Paul zu Pedro", und das ohne Reue und Herzschmerz. Die Reventlowsche Ironie macht dabei selbst vor der eigenen Person nicht halt: "Wie angenehm, dass man als Frau keine Logik zu haben braucht!"
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.09.2008
Mit viel Wohlwollen bespricht Angelika Overath das Buch "Von Paul zu Pedro" von Franziska zu Reventlow, bei dem es sich auch um so etwas wie eine erotische Phänomenologie handelt. Reventlow, die das Buch aus Geldnöten schrieb, wie die Rezensentin verrät, lässt darin eine Frau ihrem gerade abgereisten Geliebten von ihren erotischen Erfahrungen mit den verschiedensten Männern erzählen. Overath lässt sich von der Offenheit und Anmut dieser Bekenntnisse, die immer klar aber niemals "indiskret" sind, gefangen nehmen. Besonders fasziniert hat sie die überzeugende Beschreibung einer Begegnung in der Hotelhalle, in der die Briefschreiberin das "Geheimnis einer Übereinkunft" ohne auch nur ein Wort zu wechseln mit einem zukünftigen Liebhaber erlebt. Am Ende weist sie noch auf eine ebenfalls gerade erschienene, von Gunna Wendt verfasste Biografie der berühmten Protagonistin der Münchner Boheme hin, deren "Wille zum Glück" und Radikalität im Begehren die Rezensentin fasziniert.
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