Erneut sind es subtile Seelendramen, die Keyserling vor der Kulisse einer intensiv empfundenen Natur stimmungsvoll und mit sicherem Blick für die Psychologie seiner Figuren in Szene setzt: In"Seine Liebeserfahrung", der ersten Erzählung, umspielt er den eitlen Narzißmus eines angehenden Schriftstellers mit ironischer Heiterkeit. Als der junge Mann eine offensichtlich unglücklich verheiratete Dame kennenlernt, bleibt er allzulange über seine Gefühle für sie im unklaren, laviert und vergibt das nahe Glück. Zu zögerlich agiert auch der Held der zweiten Erzählung, ein zielloser Weltreisender, der nach langer Trennung erstmals wieder auf seine seelisch labile Ehefrau trifft. Die Gesellschaft auf dem heimischen Schloß scheint ihm fremd, er glaubt die"Harmonie"der Anwesenden zu stören, doch zu einer offenen Aussprache fehlen ihm Kraft und Entschlossenheit. Die Landvilla einer wohlhabenden Bankiersfamilie ist schließlich Schauplatz der titelgebenden Geschichte, in deren Mittelpunkt der elfjährige Sohn Paul steht. Der Knabe, der"ein seltsam starkes Gefühl für die Unsicherheit unsres Daseins"hat, beobachtet das Werben eines leichtlebigen Bankvolontärs um seine Mutter mit Neugier; erwachen doch auch in ihm erstmals Gefühle für eine junge Dame.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2007
Auf gar keinen Fall, warnt der Rezensent Wolfgang Schneider, dürfe man sich von den etwas altväterlichen Titeln der in diesem Band versammelten drei Novellen Eduard von Keyserlings täuschen lassen. Auch wenn sie "Im stillen Winkel" heißen, oder "Harmonie" - sie gehören zum besten des meist als Impressionisten rubrizierten Autors. Und in Wahrheit geht es in der Erzählung "Harmonie" denn auch alles andere als harmonisch zu. Die Ehe zwischen Felix von Bassenow und seiner erkrankten Frau Annemarie nämlich steht unter keinem guten Stern. Der Mann ist der Macho nicht, der er gerne wäre, die Frau "erstarrt zum ästhetizistischen Jugendstilbildnis" und verkümmert im Schloss, in dem von Bassenow sie lange allein lässt. Noch beeindruckender ist die Erzählung "Im stillen Winkel", die eine Familie porträtiert und in der Verbindung von "Intimem und Gesellschaftlichem", wie Schneider findet, eine wahre "Jahrhundertnovelle" sei. Insgesamt, rühmt er, "ein begückendes Buch", das auch neunzig Jahre nach dem Tod des Autors kein bisschen veraltet ist.
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