Mit Nachwort von Florian Illies. Knisternde Sommerkleider, Meeresschaum und glitzernder Sand - ein entlegener Badeort an der Ostsee und seine malerischen Dünen sind Schauplatz von Keyserlings berühmtestem Roman. In flirrender Hitze entspinnt sich ein Beziehungsgeflecht von hoher atmosphärischer Dichte und subtiler Dramatik. Generalin von Palikow hat ihre Familie zur Sommerfrische an die Ostsee geladen. Um die preußisch-strenge Gastgeberin scharen sich ihre Tochter Baronin von Buttlär samt Ehemann, deren halbwüchsige Kinder und der Schwiegersohn in spe. In den Fokus der durch Müßiggang geschärften Aufmerksamkeit gerät rasch die ebenso anmutige wie selbstbewusste Gräfin Doralice. Ihr scheinbar unkonventionelles Leben an der Seite des Malers Hans Grill weckt das Interesse und beschäftigt die Phantasien der Feriengesellschaft. Lang verborgene Sehnsüchte werden zum immer gleichen Rhythmus der Wellen an die Oberfläche gespült - bis am Ende der Urlaubstage nichts ist, wie es einmal war.
Große Erwartungen hatte Rezensent Michael Maar nicht an diesen 1911 erschienenen Roman. Keyserling - ist das nicht so eine Art parfümierter Thomas Mann? Die Lektüre der "Wellen" belehrt ihn dann aber eines besseren, wie wir aus seiner mit vielen Ausrufezeichen garnierten Kritik erfahren. Keyserling erzählt die Geschichte einer verheirateten Adeligen, die mit einem Maler durchgebrannt ist und jetzt unter den Augen einer gehässigen Dienerin und der naserümpfenden feinen Gesellschaft mit diesem in einer Fischerhütte an der Ostsee lebt. Der Alltag der beiden scheint sich recht prosaisch zu gestalten. Maar ist hin und weg von der Einfühlungs- und Beschreibungskunst Keyserlings, der ihm hier eine ganze Welt eröffnet: von der guten Gesellschaft bis zu den einfachen Fischern. "Kapitaler Wurf!" und "besser als Fontane!" ruft er.
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