El Hor / El Ha

Streichhölzer

Prosaskizzen, Erzählungen und andere Texte
Cover: Streichhölzer
C.W. Leske Verlag, Düsseldorf 2025
ISBN 9783946595472
Gebunden, 368 Seiten, 28,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Claus Zittel unter Mitarbeit von Lea Schober. "Wer ist El Ha?" So fragte im Jahr 1922 der Prager Dichter Paul Leppin, um den Neugierigen dann doch nur zu verraten, "daß hinter dem Pseudonym eine junge, uns Pragern wohlbekannte Dame steckt", die vorher auch unter dem Namen El Hor geschrieben habe. Seither ranken sich Spekulationen um die geheimnisvolle Identität der Autorin, die für ihre ebenso eigenwillige wie stilistisch meisterhafte Kurzprosa berühmt war. - Ihre Schriften sind mit dieser Ausgabe wiederzuentdecken, und ihre Identität wird endlich enthüllt. El Hors / El Has kurze Texte erschienen ab 1908 in bedeutenden Zeitschriften, oft auf der gleichen Seite mit denen von Gottfried Benn, Robert Musil, Robert Walser, Rilke, Max Brod oder Kafka. Sie wurde als "Genie der Skizze" gerühmt, vor allem deshalb, weil sie mit wenigen Strichen die grausamen Abgründe erotischer Verstrickungen aus weiblicher Perspektive moralfrei zu skizzieren verstand. In den frühen neunziger Jahren wurde ca. ein Viertel ihres Werkes, namentlich die schmalen Büchlein "Die Schaukel" und "Schatten", die 1913 und 1920 erschienen waren, neu herausgegeben. Das ungewöhnliche, alles andere als harmlose Œuvre der Autorin ist allerdings vielfältiger und weit umfänglicher als bislang angenommen. Der hier vorgelegte Band bringt außer den bekannten Skizzen mehr als 150 bisher nie wieder gedruckte und vielfach nicht einmal bibliografisch erfasste Texte in textkritischer Gestalt, sammelt biografische Zeugnisse, darunter auch Briefe, sowie zeitgenössische Rezensionen und erschließt das Werk und die Verfasserin mit einem Nachwort.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 30.12.2025

Rezensent Fabian Lutz jubelt über diese neuentdeckte Autorin alltagsnaher und trauriger Grotesken in Kurzform. Bisher war die Schriftstellerin ein Rätsel für die Literaturwissenschaft, ein unter mehreren Pseudonymen, von denen "El Hor" und "El Ha" die bekanntesten waren, agierendes Mysterium, das um 1900 Kurzprosa neben Kafka und Musil veröffentlichte, erzählt uns Lutz. Nun wurden nicht nur all ihre Texte in einem Band versammelt, auch ihre Identität wurde vom Herausgeber des Bandes Claus Zittel gelüftet, freut sich der Kritiker. Hinter Texten über die Sehnsüchte von Orchideen und die Banalitäten des Theaterlebens steckte Else Onno, die in Wien lebende Frau des Burgtheaterschauspielers Ferdinand Onno. Lutz findet in ihren Texten eine besonders starke geistige Verwandtschaft zu Elfriede Jelinek, was sich für ihn aus der Lakonie der Sprache und dem Fokus auf weibliche Sexualität ergibt. Die zwischen Lust- und Todessehnsucht changierenden Erzählungen spiegeln in den letztlich unerfüllt bleibenden Begehren der weiblichen Protagonistinnen ihre gesellschaftliche Stellung um 1900, bemerkt der Rezensent über diese melancholisch-spöttischen Geschichten. 

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