Hartmut Binder

Gestern abend im Café

Kafkas versunkene Welt der Prager Kaffeehäuser und Nachtlokale
Cover: Gestern abend im Café
Vitalis Verlag, Prag 2021
ISBN 9783899194609
Gebunden, 688 Seiten, 79,90 EUR

Klappentext

"Gestern abend im Café" entführt den Leser in die versunkene Welt des alten Prag. Der opulente Band aus der Feder des Kafka-Forschers Hartmut Binder dokumentiert auf über 600 Seiten Vergnügungsstätten der alten Kaiserstadt in der Endphase der Habsburger-Monarchie und zu Beginn der Tschechoslowakischen Republik. Vorgestellt werden Kaffeehäuser, Weinstuben, Hotels, Chantants, Kleinkunstbühnen, Theater, Kabaretts, Kinos, Nachtclubs, Tanzbars und das berühmte Théâtre Variété sowie die in diesen Lokalitäten auftretenden, heute vergessenen Künstler und Künstlerinnen, die das Publikum mit ihren Vorführungen und ihren Reizen zu begeistern wussten. Aus Annoncen, Programmheften, Besprechungen, Berichten, Erinnerungen, Archivmaterialien und über tausend historischen, vielfach farbigen, meist unbekannten Abbildungen ist so ein Stadtporträt entstanden.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 08.11.2021

Rezensent Helmut Böttiger freut sich über dieses neue Werk des "Kafka-Maniac" Hartmut Binder.  Der Autor sammelt darin eine reiche Menge an Material, die jene Aufenthaltsorte Kafkas aufzeigt, in denen er sich verabredete, Theaterstücke ansah oder seine sexuellen Bedürfnisse befriedigte, erklärt Böttiger. Dabei verliere Binder die Figur des "vergeistigten" Kafkas niemals aus den Augen und schafft es dem Rezensenten zufolge dennoch, auch noch die Kulturgeschichte jener Epoche und ihren damaligen Lokalitäten anhand von Bildern, Plakaten und weiteren Entdeckungen darzustellen. Das ist alles sehr detailreich, teilweise auch überraschend und vor allem sehr lehrreich, sowohl das Leben des mystischen Schriftstellers als auch die veränderte Funktion von Kaffeehäusern betreffend, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.09.2021

Rezensent Roland Reuß ist total begeistert von Hartmut Binders neuem Buch. Binders langjährige Beschäftigung mit Kafka schlägt sich darin laut Reuß ebenso nieder wie Binders konkrete Suche nach den Cafes, Varietes und Klubs, die Kafka frequentierte und die in seinem Werk auftauchen. Die vielen erstklassigen Abbildungen im Band und das Register geben Binders "Funden" Farbe und Reuß Orientierung. Der Rezensent erfährt über die Bedeutung des ostjüdischen Theaters für Kafka und sein Bild des Judentums, aber auch über abseitigere Einflüsse, wie den des vorstädtischen "Theatre Variete". Die vom Autor identifizierten Etablissements und Künstler machen Details in Kafkas Texten konkreter und lassen ihre literarische Verwandlung erkennen, staunt Reuß.

Rezensionsnotiz zu Die Welt, 04.09.2021

Marc Reichwein ahnt es: Das Kaffeehaus war das Internet des Habsburger-Reiches. Hartmut Binders enzyklopädisch detailliertes, aus tausend Abbildungen und fast ebensovielen Textquellen zusammengestelltes Kompendium zur Kaffeehauskultur lässt ihn teilhaben an der Lebendigkeit, Vielsprachigkeit und Vielfalt dieser Kultur. Binder, für Reichwein kenntnisreicher Archivar und umsichtiger Conferencier in einer Person, setzt dem Rezensenten verschiedenen Kaffeehaus-Communities, ihre Protagonisten von Kafka bis Werfel und sogar die Rolle der Oberkellner auseinander - unsentimental und konzentriert aufs Wesentliche. Eine "ethnografische Kaffehausdokumentation", freut sich Reichwein.

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