Elena Ferrante

Lästige Liebe

Roman
Cover: Lästige Liebe
Suhrkamp Verlag, Berlin 2018
ISBN 9783518428283
Gebunden, 206 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Italienischen von Karin Krieger. Dreimal ruft sie an, sie klingt überdreht und verstört, und eigentlich sollte sie im Zug nach Rom sitzen, unterwegs zu Delia, ihrer Tochter. Wenig später wird ihre halbnackte Leiche an Land gespült. Zur Beerdigung kehrt Delia nach Neapel zurück, in die erstickende, chaotische Heimatstadt, in ihre verhasste Vergangenheit. Und sie bleibt, denn sie muss die Wahrheit wissen: Warum starb ihre Mutter? Und welche Rolle spielt Caserta, ein ehemaliger Freund ihres gewalttätigen Vaters, der plötzlich wieder auftaucht? Er jedenfalls scheint der Letzte zu sein, der die Mutter lebend gesehen hat. Zunehmend verzweifelt läuft Delia durch die Gassen der Stadt und entwirrt Erinnerungen, die sie lange unterdrückt hatte. Noch ahnt sie nicht, wie schutzlos sie sein wird, gegen das schreckliche Geheimnis ihrer eigenen Kindheit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2018

Sandra Kegel freut sich über die erzählerische Wildheit in Elena Ferrantes neu aufgelegtem und übersetztem Debütroman. Anders als in Ferrantes Erfolgstetralogie geht die Autorin in dieser Mutter-Tochter-Geschichte um dunkle Familiengeheimnisse und Gewalt mit assoziativer Glut vor. Ob gelesen als Psychothriller oder als Gesellschaftsroman - der Text fasziniert und verstört, versichert Kegel, und lässt die Grenzen zwischen Realität und Albtraum sich auflösen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 07.11.2018

Wie nach einer Sitzung bei einem guten Psychoanalytiker fühlt sich Rezensentin Kathleen Hildebrand nach der Lektüre von Elena Ferrantes Debütroman von 1992 in "fabelhafter" Übersetzung von Karin Krieger. Auch wenn es zunächst nach einem Krimi aussieht, ist die Geschichte doch viel mehr für Hildebrand: der schmerzvolle Rückblick einer Frau in ihre Kindheit und Jugend, auf das Verhältnis zur Mutter, auf Unterdrückung und Gewalt. Die schiere Körperlichkeit im Text berührt die Rezensentin ebenso wie das Bild Neapels als "Höllenschlund des Patriarchats". Die feministische Lesart des Buches gewinnt laut Hildebrand noch dadurch, dass die Autorin die Frauen mit tiefenpsychologischem Blick durchdringt und sie in die Verantwortung nimmt. Für Hildebrand eine in vielerlei Hinsicht erschütternde Lektüreerfahrung.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2018

Roman Bucheli ahnt mit Elena Ferrantes Debütroman von 1992, dass Geschichte nicht vergeht und die eigene Erinnerung trügt. Als Vorspiel des großen Epos liest er den neu übersetzten Roman um eine Frau, die in ihre Heimat Neapel zurückkehrt und mit den Geistern der Vergangenheit konfrontiert wird, mit der Geschichte der Mutter und mit ihrer eigenen. Wie die Autorin aus dem Fluss der Erinnerungen Fragen destilliert und ein Geheimnis zutage treten lässt, findet Bucheli bedrückend und meisterhaft zugleich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2018

Wie ihre berühmte Saga um die geniale Freundin glänzt Elena Ferrantes Debütroman mit einem großartigen Neapel-Porträt, meint die faszinierte Rezensentin Maike Albath: Die Progatonistin Delia werde von der "Zudringlichkeit des Molochs" fast erdrückt. Überhaupt hangele Ferrante sich in diesem Roman an der Beschreibung weiblicher Körper entlang: Um den mysteriösen Tod ihrer Mutter zu verstehen, konfrontiere Delia sich mit der traumatischen Vergangenheit, in der sie der Mutter als Fünfjährige eine Affäre angehängt hatte; der Körper der Mutter werde dabei immer wieder als berührter, drangsalierter, gezeichneter und lebloser thematisiert. Albath kann nach der Lektüre gut verstehen, dass dieser Roman das Ferrante-Fieber in Italien entzündet hat.

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