Klappentext

Im Mai mailt Hanna an ihre Schwägerin in Dublin: Komm, dein Bruder wird verrückt! Zwei Tage später landet Jetti Lenobel in Wien - und Robert ist verschwunden. Doch Jetti glaubt nicht daran, dass der Bruder verrückt geworden ist. Sie kennt ihre sehr ungewöhnliche jüdische Familie. In der ist immer mit allem zu rechnen. Dann kommt die Nachricht des Bruders: "Ich bitte dich, dass Du mit niemandem darüber sprichst!!! Ich will es so. Ich bin in Israel, dem Land der Väter. Aber an die Väter denke ich nicht." In den merkwürdigen, verschlungenen Lebensläufen der Geschwister Jetti und Robert, seiner Frau, ihrer Kinder und Freunde, erzählt Köhlmeier von dem, was jeder sein Leben lang mit sich trägt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2018

Rezensentin Sandra Kegel hält Michael Köhlmeiers Roman über das Verschwinden eines Familienvaters und das Fortwirken von Traumata über mehrere Generationen einer Familie für leidenschaftlich erzählt, jenseits jedes naiven Realismus, mit dem Glauben an das zutiefst Menschliche des Geschichtenerzählens, das der Autor etwa mit Märchen bezeugt, die er jedem Kapitel voranstellt. Wie der Text das Drama der Familiengeschichte, ausgehend von der Gegenwart eines Wiener Geschwisterpaars, Stück für Stück enthüllt, findet Kegel lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 06.09.2018

In Michael Köhlmeiers neuem Roman bricht ein arrivierter Wiener Psychiater jüdischer Herkunft plötzlich nach Jerusalem auf, da er sich in seiner eigenen Abgeklärtheit verloren hat und nun versucht, sich mit romantischen Gesten wieder lebendig zu fühlen, fasst Rezensentin Iris Radisch zusammen. Nach der Lektüre hält Radisch Köhlmeier nicht nur für einen hervorragenden Erzähler, sondern auch für einen "begnadeten Kulturerklärer": Sie konnte nachempfinden, dass der erfolgreiche Arzt die Nichtigkeit aller Glücks-Klischees erkannt hat, dass er aber, auch wegen seiner traumatischen Familiengeschichte, keine eigenen Wege zu sich selbst findet. Der Roman entlässt den Leser nicht aus diesem Dilemma, schreibt die beeindruckte Rezensentin, er zeigt nur, dass das Leben trotzdem weitergeht - was Radisch hochehrlich, traurig und optimistisch zugleich findet.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.09.2018

Am Rande einer Begegnung mit dem Schriftsteller Michael Köhlmeier kommt Marie Schmidt auch auf dessen jüngstes Buch zu sprechen, seinen Roman "Bruder und Schwester Lenobel". Die beiden kamen schon kurz vor in früheren Büchern Köhlmeiers, lesen wir. Jetzt sind beide in ihren Fünfzigern, der Bruder, Robert, ist verschwunden und seine Frau ruft seine Schwester, die schöne und kluge Jetti zu Hilfe. Als vierte Hauptfigur kommt noch Roberts Freund Sebastian Lukasser ins Spiel. Zwischen den Kapiteln immer wieder Märchen, die laut Köhlmeier "musikalisch" das nächste Kapitel einleiten sollen. Auch das Böse scheint dabei eine Rolle zu spielen. Aber eigentlich lässt sich die Handlung nicht recht zusammenfassen, meint Schmidt. Worauf es hier ankomme, sei die Entwicklung der miteinander verstrickten Figuren. Wie gut dem Autor das gelingt, verrät Schmidt  nicht.
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