Laszlo Krasznahorkai

Baron Wenckheims Rückkehr

Roman
Cover: Baron Wenckheims Rückkehr
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2018
ISBN 9783100022370
Gebunden, 496 Seiten, 25,00 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Christina Viragh.  Baron Wenckheim kehrt in das Ungarn von heute zurück: eine heruntergekommene Welt voller Verlierer. Die übersteigerten Hoffnungen aller richten sich an Wenckheim. Der in Buenos Aires zu vermeintlichem Weltruhm gekommene Sohn der Stadt soll sie retten. Doch zu viele spielen mit dem Feuer, und die Stadt steht voller geheimnisvoller Tankwagen. Die Explosion scheint jede Sekunde nah.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 20.04.2019

Obwohl Rezensentin Tabea Soergel findet, dass "Baron Wenckheims Rückkehr" alles andere als ein zugänglicher Roman ist, hält sie ihn für absolut lesenswert: Der gescheiterte, mittellose Baron kehrt in seine kleine ungarische Heimastadt zurück, um seine verlorene Liebe wiederzufinden, wird aber fälschlicherweise von der ganzen Kleinstadt als großer Hoffnungsträger erwartet, der die ruinösen Verhältnisse verbessern wird, fasst die Kritikerin die Geschichte zusammen. Zwischen einer allwissenden Erzählerstimme und den Erzählperspektiven sehr unterschiedlicher Figuren hin- und herspringend, schaffe Krasznahorkai ein für ihn typisches Untergangsszenario mit absurden und fantastischen Wendungen, das durch die Ankunft des Barons lediglich aufgeschoben werde. Für die, die sich auf die Perspektivwechsel, philosophischen Exkurse und Wendungen einlassen und versuchen, die unterschiedlichen Details aufeinander zu beziehen, hält das Buch nicht nur bitterbösen Humor bereit, sondern beantwortet "virtuos ewige Fragen mit banal-brutalen Kleinstadtdetails", versichert die begeisterte Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.03.2019

Kolossal beunruhigend findet Ilma Rakusa Laszlo Krasznahorkais eigenwilligen Roman, musikalisch konstruiert und von großer Sogkraft. Die vielen skurrilen Figuren, angeführt vom Baron Bela Wenckheim, der auf der Suche nach einer alten Liebe in seine Pusztaheimat zurückkehrt, der episodische Bau des Textes, die mannigfachen Handlungsstränge und die oft uneindeutige Perspektive verwirren Rakusa zunächst, Auflösung wartet erst am Schluss in einem drastischen Showdown, erklärt die Rezensentin. Der apokalyptische Sound des Buches jedoch, "bravourös" übertragen von Christina Viragh, nimmt Rakusa von Anfang an gefangen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 03.01.2019

Judith von Sternburg stürzt sich vergnügt in Laszlo Krasznahorkais Literaturwelt, wohlwissend, dass der ungarische Autor sie ohne Bedenken überfordern wird: Über hunderte von Seiten wird er seinen Kosmos ausdehnen, die Leser in die Irre führen, Spannungsbögen strapazieren und Liebesgeschichten sang- und klanglos verpuffen lassen. Sternburg findet einfach herrlich, was für ein Welttheater Krasznahorkai um die Heimkehr des falschen Baron Wenckheim in die ungarische Provinz herum aufbaut. Und dass die Übersetzerin Christina Viragh mit dem Geschnatter wie auch mit Krasznahorkais berüchtigten Endlossätzen so spielend fertig wird, erscheint der Kritikerin schlichtweg genial. Schwer zu lesen sei der Roman übrigens nicht, betont Sternburg: Man verstehe alles. Dass man es nicht gleich begreift, steht auf einem anderen Blatt. Sie verrät nur, dass hinter alldem ein wirklich übler Plan stehe.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 25.10.2018

Rezensent Ulrich Greiner nennt László Krasznahorkais neuen Roman "verrückt", "nicht eins zu eins zu nehmen" und "durch und durch ungemütlich", lässt aber keinen Zweifel daran, dass ihm die Geschichte über den Nachfahren eines österreichisch-ungarischen Adelsgeschlechts, der als alter Mann in seine ungarische Heimatstadt zurückkehrt, außerordentlich gut gefallen hat: Der Baron werde als Sponsor für den lang ersehnten Aufschwung erwartet, sei aber in Wahrheit ein bettelarmer Spielsüchtiger. Was als zynische Komödie beginnt, wird über tausend kleine Erzählstränge von einer tragischen Liebesgeschichte bis zu dem mysteriösen Tod des Barons immer schwärzer, so der beeindruckte Greiner, bis am Ende sogar satanische Mächte am Werk sind und der Roman sich ihm als "faszinierende zeitgeschichtliche Parabel" erweist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.10.2018

Rezensentin Marie Schmidt hält die Frage nach der Heimat, die Lázló Krasznahorkai in seinem neuen Roman aufwirft, für brandaktuell. "Rasend komisch" findet sie, wie Krasznahorkai seine schüchtern-sehnsuchtsvolle (und bankrotte) greise Hauptfigur Baron Wenkheim von Argentinien zurück in seinen ungarischen Geburtsort Gyula schickt. Dort wird er empfangen wie ein Messias, ein Schwarm von Bittstellern umringt ihn, bis der erschöpfte Baron wieder verschwindet, aus Gyula und - nach zwei Dritteln - aus dem Roman. Die politischen Anspielungen auf das heutige Ungarn erkennt Schmidt wohl, aber der Roman zeigt ihr in seiner Menschlichkeit auch, warum Krasznahorkai - obwohl er mit seinen langen Sätzen und den Wiederholungen nicht "einfach" ist - in China und Japan ebenso gelesen wird, wie in Europa und den USA. Im Deutschen ist das nicht zuletzt auch der kongenialen Übersetzerin Christina Viragh zu verdanken ist, lobt die Rezensentin, die das Buch im Aufmacher der Buchmessenbeilage bespricht.
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