Elijah Wald

Vom Mississippi zum Mainstream

Robert Johnson und die Erfindung des Blues
Cover: Vom Mississippi zum Mainstream
Rogner und Bernhard Verlag bei Zweitausendeins, Berlin 2012
ISBN 9783807710792
Gebunden, 432 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Michael Hein. Staubige Straßen, windschiefe Hütten, gespenstische Kreuzungen - so stellen wir uns das Mississippidelta vor, den sagenhaften Geburtsort des Blues. Hier zogen Musiker wie der mysteriöse Robert Johnson (1911-38) von Ort zu Ort und sangen von treulosen Frauen oder Geschäften mit dem Teufel. Der laut Keith Richards "größte Folk-Blues-Gitarrist, den es jemals gegeben hat", hat zu den Legenden, die sich um ihn ranken, eine Menge beigetragen. Sein Gitarrenspiel habe er dem Teufel zu verdanken, dem er im Gegenzug seine Seele verkauft habe. Eine Kreuzung in Clarkesdale, Mississippi zeugt noch heute von der Stelle, wo dieser denkwürdige Handel stattgefunden haben soll.
Von Legenden, kleinen und großen, wimmelt es auch auch in der restlichen Geschichte des Blues. Nicht jede ist dabei so schaurig-schön wie die von Johnsons Pakt mit dem Bösen. Elijah Wald hat sich aufgemacht, jenseits der Wirren von Fabeln und Gerüchten, die Geschichte des Blues zu schreiben. Er reiste auf den Spuren von Johnson, John Lee Hooker und ihren Blues-Kollegen durch die USA und durchstöberte unterwegs Archive und Bibliotheken. Herausgekommen ist ein umfassendes, reich bebildertes Werk über den Blues, seine Musiker, seine Schauplätze und Meilensteine.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.05.2012

Jahrzehntelang wurde Robert Johnson als Gott des Blues, heimatloses Genie mit tragischem Ende verehrt. Vor allem weiße Musiker wie Keith Richards oder Bob Dylan liebten diese Legende, die der weiße Musiker und Autor Elijah Wald in seinem Buch auseinandernimmt, erzählt Rezensent Thomas Groß. Denn Johnson war kein romantisches Genie, sondern ein hochprofessioneller Musiker, der sich in den frühen Jahren von verheirateten Frauen aushalten ließ, seine Gitarrentechnik weiterentwickelte und hoffte, im aufblühenen Schalllplattengeschäft Fuß zu fassen. Er klagte nicht, sondern forderte "sein Menschenrecht auf Kapitalismus" ein, so der leicht amüsierte Rezensent. Viele Informationen stecken also in Walds 400seitiger Recherche. Aber nicht nur deshalb hat Groß das Buch gern gelesen: Die Idealisierung von Johnson beschreibt Wald zwar als Missverständnis, doch dreht er daraus niemandem einen Strick. Am Ende profitierten davon alle: Musik wie Musiker.

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