"Und vor mir ein ganzes Leben" Und vor mir ein ganzes Leben erzählt die furchtbare und zu Herzen gehende, drastisch-komische Lebensgeschichte eines Mädchens aus gutem Hause, das nach dem Einmarsch der Russen in Prag beschließt, ihrer Heimat unter Lebensgefahr den Rücken zu kehren. Mithilfe einer Anzeige - "Schöne Tschechin sucht Mann zum Heiraten" - zettelt sie die Flucht im Kofferraum an und begibt sich damit auf eine Odyssee, die sie in ihrem unbezwingbaren Freiheitsdrang an deutschen Gartenzwergen vorbei in die Schweiz befördern wird. Ihren Weg pflastern Männer, denen sie auch oft genug zum Opfer fällt. Voller Leidenschaft, flamboyant und unkonventionell, schildert die Autorin, wie eine früh emanzipierte Kämpferin schließlich als Mensch und Künstlerin ankommt, im ganzen Leben und bei sich.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2024
Rezensent Michael Krüger staunt, dass das hier Eliska Barteks erster Roman sein soll: So vollkommen schreibt die siebzigjährige Tschechin ihr Leben auf. Es beginnt mit der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968, nach der sich Bartek dazu entscheidet, in die Bundesrepublik zu fliehen, resümiert Krüger. Dies gelingt ihr auch - sobald sie in Deutschland ankommt, so der Kritiker, tritt bei ihr aber ein Gefühl der Leere auf, das die vielen wechselnden Liebschaften nicht ausfüllen können. Die Beschreibung dieses Gefühls ist "ein intensives Stück Prosa" und das Leben Barteks "eine Odyssee von Aufbrüchen und Abstürzen", lobt der Kritiker. Der hohe Detailgrad ihrer Schilderungen lässt außerdem, so Krüger, daran zweifeln, dass hier irgendwas erfunden sein soll. Am Ende scheut der Kritiker auch nicht den Vergleich mit Milan Kunderas Werk "Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins" - mit dem Unterschied, dass Kunderas Figuren am Ende sterben und wir von Bartek hoffentlich noch einiges erwarten können, schließt ein glücklicher Rezensent.
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