Wie sehen historische Ereignisse in den Augen der Menschen aus, die sie miterleben, ohne sie beeinflussen zu können? Wie dringt ihnen ins Bewußtsein, daß etwas von historischer Tragweite geschieht? Milada Soucková greift solche Ereignisse aus der Zeit von 1866 bis 1934 heraus und erzählt davon jeweils aus der Sicht eines einfachen tschechischen Zeitgenossen ? des unbekannten Menschen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.08.2000
Die "Vergegenwärtigungskunst" der Autorin lobt Christoph Bartmann in einer kurzen, aber sehr respektvollen Kritik dieses Bandes, der große historische Ereignisse am Alltag der Erzählerin reflektiert. Nebenbei erzählt der Rezensent die Geschichte der Autorin, die 1948 aus Prag in die USA emigrieren musste und deren Bücher in der Tschechischen Republik erst in den neunziger Jahren herausgebracht wurden. Auch dem deutschen Publikum wünscht Bartmann weitere Übersetzungen ihrer Werke.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.05.2000
Alena Wagnerová hält den Roman für "einen der Höhepunkte" des literarischen Werkes der tschechischen Autorin. Soucková, die in Deutschland noch unbekannt, aber auch in Tschechien fast vergessen sei, zeichne sich in ihrer literarischen Methode durch Leidenschaft und Disziplin aus. Wagnerova schiildert kurz den Lebensweg der Autorin, die aus der selben Gerneration stammt wie Milena Jesenská und 1948 das politische Asyl in New York wählte. In "Der unbekannte Mensch" gehe es ihr darum zu zeigen, wie die Wucht der Geschichte ins Leben der Individuen eingeht, und ihr besonderes Interesse gelte der Vielschichtigkeit menschlicher Wahrnehmung. Im vorliegenden Roman sei es der Autorin dann auch gelungen, die historischen Begebenheiten in Verbindung mit dem alltäglichen Leben einer bürgerlichen Familie und deren individueller Geschichte darzustellen, ohne dass die Geschichte zum "Treppenwitz gemacht" würde.
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