Aus dem Englischen von Bettina Abarbarnell. An einem verregneten Sonntag im Januar trifft die kürzlich verwitwete Mrs Palfrey im Claremont ein, wo sie den Rest ihres Lebens verbringen soll. Ihre Mitbewohner - herrlich exzentrisch und unendlich neugierig - leben von Krümeln der Zuneigung und Schnipseln von Klatsch und Tratsch. Gemeinsam wehren sie, dank der berühmten britisch steifen Oberlippe, ihre größten Feinde ab: die Langeweile und den Tod. Eines Tages schließt Mrs Palfrey unerwartet Freundschaft mit dem mittellosen jungen Schriftsteller Ludo, der sie als Vorbild für seinen Roman verwendet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 21.05.2021
Es war die "fehlende Weltläufigkeit", die Saul Bellow an Elizabeth Taylors Roman bei dessen Erscheinen 1971 bemängelte. Rezensentin Sylvia Staude nennt dieses Urteil "typisch männlich" und kann es nicht nachvollziehen. Sie findet Taylors knappe Geschichte über eine alte, mittellose Dame alles andere als unwichtig oder langweilig - erzählt sie doch auf sehr feine und emotionale Weise über das eine ganz große Thema - den Tod und das elende Warten darauf. Die aufrechte Mrs Palfrey nämlich weiß, dass ihr nicht mehr viel Zeit bleibt, und diese verbringt sie zum Zwecke des Versorgtseins gemeinsam mit einigen anderen alten Herrschaften im Claremont - einem etwas heruntergekommenen Hotel, lesen wir. Außerdem pflegt sie statt zu ihrem desinteressierten Enkel eine ungewöhnliche Beziehung mit einem jungen Autor, der sie ohne ihr Wissen als seine nächste Figur auserkoren hat. Besonders der scharfe, aber einfühlsame, niemals respektlose Blick auf die Figuren ist es, der dieses Buch ausmacht, findet Staude, sowie natürliche Taylors stilistische Perfektion. Jedes Wort in diesem Roman ist wohlgesetzt und zudem auch noch hervorragend übersetzt, so die hingerissene Rezensentin. Hier gilt nun wirklich einmal: Klein aber fein!
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.03.2021
Rezensent Werner von Koppenfels findet es nach seiner Lektüre von "Mrs. Palfrey im Claremont" zwar dankenswert, dass die britische Nachkriegsautorin Elizabeth Taylor gerade so freudig wiederentdeckt wird, ihr schwarzer Humor ist ihm aber eine Spur zu harmlos. So führt sie die englische Upper Class in ihrem Roman über "solvente Senioren", die sich lieber dauerhaft in ein Hotel einmieten, als ins Altersheim zu ziehen, zwar durchaus amüsant vor, wie er meint. Doch bleibt sie ihm in ihrem Spott offenbar etwas zu freundlich.
Heike Geißler: Michaela Kohlhaas "Das Rechtgefühl machte ihn zum Räuber und Mörder." So erzählt es Heinrich von Kleist in seiner gleichnamigen Novelle über den Pferdehändler Michael Kohlhaas, der nach erlittenem… Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Florian Illies: Träume aus Feuer Tauchen wir ein in die großen Träume eines großen Mannes: Johannes Kunckel ist ein Magier und Alchemist, der daran glaubt, Gold zaubern zu können. Der brandenburgische Kurfürst…