Georg Gustav Erbkam reist als Architekt im Expeditionsteam von Richard Lepsius 1842 bis 1845 durch Ägypten und Nubien und wurde zum Bahnbrecher für die exakte Aufnahme von Architektur in ihrer Umwelt. Die detailgetreuen Grundrisse und Durchschnitte durch Gräber und Tempel und ihre Verortung in der Landschaft waren nach bisheriger Kenntnis neu in der jungen Wissenschaft der Ägyptologie und blieben lange Zeit einmalig. Der scharfe Blick des Geodäten und die Disziplin des Baumeisters resultierten aus einer langjährigen Ausbildung in Berlin, wo er als Sohn eines preußischen höheren Beamten und einer aus Theologenkreisen stammenden Mutter aufwuchs, studierte und später arbeitete und lebte. Er war nicht nur Architekt, sondern Stellvertreter von Lepsius in krisengeschüttelten Zeiten, wenn letzterer krankheitsbedingt oder zur Organisation der weiteren Reise in Kairo arbeitete oder auf Exkursionen tief in den Süden des Sudan oder auf die Sinai-Halbinsel ging.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.07.2013
Geradezu neidisch hat Rezensent Wolfgang Günter Lerch das von Elke Freier unter dem Titel " Wer hier hundert Augen hätte..." herausgegebene Buch mit Briefen von Georg Gustav Erbkam gelesen. Denn der Mann, der den Begründer der wissenschaftlichen Ägyptologie in Deutschland, Richard Lepsius, auf einer Expedition zwischen 1842 und 1845 als Architekt, Geodät und Zeichner begleitete, beschreibe den Aufenthalt in Ägypten so detailverliebt und mit akribischer Beobachtungsgabe, dass Lerch versichert, vieles hätte der heutige Pauschaltourist komplett übersehen. Nicht nur die Schilderungen der Landschaften, lyrischen Stimmungen und offenherzigen Beschreibungen menschlicher Charaktere und Handlungen haben den Kritiker tief beeindruckt, sondern er bewundert auch Erbkams Zeichnungen. Nicht zuletzt lobt Lerch das äußerst informative Vorwort der Herausgeberin, die historische und politische Hintergründe vorbildlich darstelle.
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