Elke Heidenreich

Männer in Kamelhaarmänteln

Kurze Geschichten über Kleider und Leute
Cover: Männer in Kamelhaarmänteln
Carl Hanser Verlag, München 2020
ISBN 9783446268388
Gebunden, 224 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Elke Heidenreich kennt sich aus, mit Jacke und Hose, Rock und Hut - vor allem aber mit den Menschen. Gut aussehen wollen alle, aber steckt nicht noch viel mehr dahinter? Warum sind einem die Jugendfotos im Faltenrock so peinlich? Warum kauft man sich etwas, was einem weder passt noch steht? Wenn Elke Heidenreich von Kleidern erzählt, dann erzählt sie vom Leben selber: von sich mit sechzehn, von Freundinnen und Freunden, von Liebe und Trennung, erzählt Geschichten, komisch und traurig wie nur sie es kann, in denen jeder sich wiedererkennt: sei's in ausgeleierten Jeans, sei's in der wunderbaren Bluse, die schon keine Farben mehr hat, oder schlimmstenfalls im Kamelhaarmantel.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.11.2020

Rezensent Alfons Kaiser lässt sich gern von Elke Heidenreich daran erinnern, welchen Wert Kleidungsstücke einmal besaßen. Dabei will er das nicht nur als melancholische Reminiszenz verstanden wissen, wenn sich Heidenreich an die Ereignissen und Begebenheiten erinnert, die mit einem Kleid, einem Mantel, einem Hut einst verbunden sein konnten. Angesichts der immer schneller entsorgten Fast Fashion erscheint ihm Heidenreichs Buch durchaus nach vorne gerichtet. Ihren saloppen Ton kann er gut leiden, aber nicht alle Ungenauigkeiten scheinen ihm verzeihlich. Allerdings versöhnt ihn Heidenreich mit ihrer Abneigung gegen Kamelhaarmäntel oder mit ihrer Feier des Karnevals, bei dem sich Kölner auch schon mal als geteiltes Deutschland oder Gerhard Richters Domfenster verkleiden. 
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.10.2020

Eine Liebeserklärung von Tanja Rest an - na, nicht unbedingt an die Autorin, aber doch an ihren besonderen Blick auf das Thema Mode. Dieser Blick ist der einer oft durch Mode gequälten, oder nein, von der eigenen Sehnsucht nach dem umwerfenden Auftritt gedemütigten Frau. Denn der eigene Auftritt war dann doch nicht so umwerfend und der Prinz hebt einen wieder nicht aufs Pferd und der Vater hat mit seinen Kamelhaarmänteln immer andere betören wollen. Ganz hinreißend findet die Kritikerin, wie hier Lieblingskleider und die Lust an den Schöpfungen früher Schneiderinnen bedacht sind. Und sie fühlt sich am Ende fast ebenso in ihrer Überheblichkeit gegenüber der Autorin gedemütigt wie die zwei Damen auf einer Salzburger Festspiel-Toilette, die über die Festrednerin herzogen, die zwar "gscheit" aber nicht "fesch" sei, um ihr dann beschämt ins Gesicht blicken zu müssen. Und die flötete ihnen im Abgang zu: "Aber fesch sind doch Sie!"

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