TikTok Time Bomb
Die dunklen Machenschaften hinter der mächtigsten App unserer Zeit

Piper Verlag, München 2025
ISBN
9783492073042
Gebunden, 432 Seiten, 25,00
EUR
Klappentext
Aus dem Amerikanischen von Henning Dedekind, Moritz Langer, Rita Gravert, Frank Lachmann und Norbert Juraschitz. Die Forbes-Investigativjournalistin Emily Baker-White erzählt die Geschichte des kometenhaften Aufstiegs der App TikTok, die seit ihrem offiziellen Launch im Jahr 2018 die Social-Media-Welt revolutionierte, Popkultur und Öffentlichkeit weltweit veränderte, und bereits mehr als 1,6 Milliarden User in über 150 Ländern aufweist. Baker-Whites Buch besteht aus den Enthüllungen ihrer spektakulären Investigativreche, die mit exklusiven Informationen von über 100 TikTok-Insidern die engen Verbindungen des chinesischen Staats zum TikTok-Konzern aufdeckt. Spannend wie ein Thriller enthüllt Baker-White Machtmissbrauch, Datenschutzverletzungen und mutmaßliche Algorithmus-Manipulationen bei TikTok -, bis sie und andere Journalisten bedrohlicherweise selbst ins Fadenkreuz des chinesischen TikTok-Mutterkonzerns ByteDance geraten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.01.2026
Machtverschiebungen im digitalen Raum stehen im Zentrum des Buches, das Rezensent Oliver Jungen als präzise recherchierte Vorgeschichte des Tiktok-Deals liest. Emily Baker-White rekonstruiert anhand von rund 150 Interviews, Mitschnitten und internen Dokumenten, wie aus Musical.ly eine Plattform wurde, deren Algorithmus gezielt Reichweite erzeugen konnte. Ursprünglich zur Diversifizierung gedacht, öffnete das Instrument auch Propaganda Tür und Tor. Nachgezeichnet werden zudem die Kulturkonflikte zwischen US-Management und Pekinger Zentrale, das wachsende Misstrauen wegen chinesischer Zugriffsgesetze und die politische Instrumentalisierung der App, lesen wir. Dass heute bei der US-Version faktisch "zwei Väter" die Hand am Regler haben, Trump und Xi, macht die Analyse bedrückend aktuell, meint Jungen. Stilistisch nüchtern, in der deutschen Fassung zwar teils etwas holprig, bietet das Buch dennoch einen seltenen Blick in den Maschinenraum der "mächtigsten App" der Welt.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 06.12.2025
Rezensent Joel Schmidt fühlt sich von diesem Buch insgesamt gut informiert über TikToks weltpolitische Relevanz. Die von der chinesischen Firma ByteDance betriebene Kurzvideoplattform wird von der Investigativjournalistin Emily Baker-White durchleuchtet, ihr Buch basiert, so Schmidt, auf der Auswertung von Interviews, Chatprotokollen, Geschäftsberichten und anderem. Eine spannende, nur gelegentlich etwas ausufernde Lektüre ergibt das, freut sich Schmidt. Unter anderem gerät die Plattform aufgrund eines chinesischen Gesetzes zur Datensicherheit in die Kritik, das chinesische Unternehmen und Privatleute in potenzielle Spione verwandelt, lernt Schmidt. Auch Zensurfälle, verschwundene Angestellte, die sich kritisch geäußert haben und Trumps Kehrtwende vom TikTok-Kritiker zum TikTok-Retter werfen Fragen auf. Die Bemühungen um ein TikTok-Verbot kommen jedenfalls nicht voran, erfährt der Rezensent von der Autorin und deshalb, das ist eine zentrale Lehre aus diesem starken Buch, werden die vermeintlich harmlosen Tanz- und Katzenvideos der App auch weiter ein Politikum bleiben.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2025
Rezensentin Ulla Fölsing liest das Buch der Juristin und Investigativjournalistin Emily Baker-White mit Spannung. Den Aufstieg von Tiktok und das Gerangel zwischen den USA und China um die App erzählt die Autorin minutiös entlang von ca. 30 Artikeln, die Baker-White für "Forbes" verfasst hat, erklärt die Kritikerin. Über die bahnbrechende Idee des Gründers Zhang Yiming, den Erfolg der App in den USA, den folgenden Rechtsstreit um Nutzerdaten sowie die Bemühungen des US-Kongresses, Tiktok loszuwerden, schreibt die Autorin laut Fölsing auf umfassend informierte Weise. Keine leichte Lektüre, schon der vielen Anmerkungen wegen, findet Fölsing, aber eine lohnende.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 05.11.2025
Inhaltlich top, in der Präsentation mit Schwächen: So urteilt Rezensent Jens Ulrich Eckhard über Emily Baker-Whites TikTok-Buch. Mit Baker-White erzählt Eckhard zunächst die Entstehungsgeschichte der Algorithmus-basierten Anwendung nach, bevor er sich im Rest der Rezension hauptsächlich auf die Verflechtungen der App mit der Kommunistischen Partei Chinas und andere Skandale konzentriert. Baker-White zusammenfassend beschreibt Eckhard unter anderem, wie ein in China 2017 erlassenes nationales Sicherheitsgesetz dazu führen kann, dass der chinesische Geheimdienst Zugriff auf TikTok-Konten und Passwörter erhält - und zwar auch dann, wenn die Betreiberfirma ByteDance offiziell gar nicht mehr in China gemeldet ist. Auch die Flutung der App mit chinesischer Regierungspropaganda und die auf TikTok durchaus übliche händische Manipulation des Algorithmus werden im Buch thematisiert, lesen wir. Leider merkt man dem Buch an, kritisiert Eckhard, dass es ein Amalgam aus diversen Pressetexten der Autorin ist, das führt zu einigen Längen und Wiederholungen. Dennoch lernt man hier viel über eine hochgradig gefährliche Firma, resümiert der Kritiker.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 16.10.2025
Rezensentin Vera Linß folgt der amerikanischen Investigativ-Journalistin gebannt in ihren Recherchen über die Geschichte und Erfolgsstrategien hinter der bekannten Kurzvideoplattform TikTok. Linß erfährt, dass die App vor ihrer erfolgreichen Durchdringung des chinesischen und amerikanischen Marktes 2018 noch unter dem Namen Musical.ly in den USA populär wurde. Kurz darauf wurde sie vom chinesischen Unternehmen ByteDance aufgekauft, das die App schließlich mit einer eigenen Musical.ly-Variante zu TikTok verschmolz. Das angestrebte Erfolgsprinzip: eine algorithmisch individuell zugeschnittene Ansammlung an Kurzinhalten, die einen möglichst "friktionslosen" Konsum befeuern. In ihrer komplexen Aufarbeitung widmet sich Baker-White auch den Prozessen rund um das 2020 noch im Raum stehende, dann aber letztendlich gescheiterte Verbot der App in den USA. Ausgehend von internen Dokumenten, Interviews und Konferenzmitschnitten deckt sie auf, dass TikTok seine amerikanischen Nutzer:innen zwecks der Algorithmusoptimierung gezielt ausspioniert hat, erfährt die Kritikerin. Eindringlich ist dabei auch die von Baker-White reichlich belegten Ausführungen zu den Gründen des ausbleibenden Verbots, da TikTok unter anderem Trump als hilfreiches politisches Instrument dient.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.10.2025
Viele interessante Fakten statt aufgewärmter Kulturkritik liefert dieses Buch über TikTok, freut sich Rezensent Michael Moorstedt. Emily Baker-White rekonstruiert darin die Geschichte der Plattform, die sich, erfährt Moorstedt, deutlich unterscheidet von anderen StartUp-Gründungsmythen, die zum Beispiel in Vorstadtgaragen spielen - vielmehr steht hier ein nicht allzu visionär anmutender Gründer im Zentrum, der von Anfang an mit der Kommunistischen Partei Chinas verbandelt ist. Die Grundidee ist, rekonstruiert Moorstedt Baker-Whites Argument, so simpel wie effektiv, TikTok versteht sich darauf, ein Entertainment-Produkt anzubieten, das sich sein Publikum selbst rekrutiert, anstatt Leute nach Informationen suchen zu lassen. Weiterhin zeigt die Autorin der Rezension zufolge auf, wie sich die Inhalte der App zwangsläufig mit zunehmendem Erfolg politisierten. Auch auf zahlreiche Skandale und Mauscheleien geht Baker-White ein, wobei Moorstedt hier keine Details nennt und lediglich darauf verweist, dass das tatsächliche Ausmaß der Involvierung der chinesischen Politik in die App weiterhin im Unklaren bleibt. Dass TikTok brandgefährlich ist und bleibt steht für Moorstedt nach der Lektüre dieses angenehm nüchternen Buchs außer Frage.