Aus dem Französischen von Michael Müller und Karin Uttendörfer. Über Boulevards und Plätze, durch schmale Gassen und abseitige Gegenden, von den Faubourgs und Dörfern bis zur multikulturellen Metropole - Éric Hazan durchstreift Paris zu Fuß und durchquert dabei Epochen. Mit Abstechern in die Kultur- und Literaturgeschichte zeichnet er so einen einzigartigen Atlas für alle, die von Paris träumen oder die dort längst Stammgäste sind. Éric Hazan lässt die Lichterstadt Schicht um Schicht vor dem inneren Auge des Lesers entstehen. Von den Zeiten, als Montmartre noch ein ärmliches Dörfchen war, zu den grandiosen Visionen Baron Haussmanns; von der Place Saint-Jacques, wo er an Victor Hugos eindringliche Schilderungen der Massenhinrichtungen erinnert, zu den Schauplätzen der Pariser Kommune; von den finsteren Kapiteln der Kollaboration über die Befreiung 1944 bis zu den kreativ-wilden Protesten vom Roten Mai 1968. Hazan schildert die Stadt in stetiger Bewegung, erzählt die Schicksale von Alteingesessenen und Neuankömmlingen, die mit ihren immerwährenden Neuanfängen Paris zu dem machen, was es heute ist - die wahrscheinlich schönste Stadt der Welt.
Rezensentin Tania Martini findet grandios, wie Éric Hazan Paris in diesem Buch als "das stets nur vorläufige Ergebnis aus der Dialektik von Aufstand und Unterdrückung" darstellt. Hazan berichtet von Nischen des Widerstands oder von Allianzen zwischen Prekarisierten und Politisierten, aber auch von Beispielen gelungener Stadtplanung. Dabei zeichnet er die Jahre 1830, 1848 und 1871 als diejenigen, in denen sich die politische Geografie seiner Stadt am deutlichsten veränderte, schreibt die Kritikerin, der bei der Lektüre einmal mehr klar geworden ist, dass Paris das Thema der Moderne ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2020
Rezensent Helmut Mayer freut sich sehr über die illustrierte Neuauflage (die erste Auflage erschien 2006) von "Die Erfindung von Paris". Denn ihr Autor Éric Hazan kennt und erzählt die Geschichte seiner Stadt wie kaum ein anderer. Abseits der republikanischen Narrative beschreibt er sie als die Abfolge gewaltvoller Konflikte zwischen Aristokraten und Arbeitern, die sie laut Mayer tatsächlich und immer war. Hazans Leidenschaft dabei erwächst nicht nur aus seiner biografischen Verbundenheit zur Stadt, sondern auch aus ihrer Bedeutung als Ort des Aufstandes, ein Ort, an dem die Funken der Revolte zünden. So wundert es den Rezensenten nicht, dass der Autor den jüngeren Behauptungen über die Musealisierung Paris' mit Kopfschütteln begegnet sowie der überzeugten Ankündigung einer nächsten großen Auseinandersetzung - eines Aufstandes, der die Verhältnisse umkehren wird. Als Ergänzung zu dieser Lektüre, vielleicht auch als Wink an den Verlag empfiehlt Mayer Hazans "Balzac, Paris" und die Wandererzählung "Une traversée de Paris".
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