Erica Fischer

Die Liebe der Lena Goldnadel

Jüdische Geschichten
Cover: Die Liebe der Lena Goldnadel
Rowohlt Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783871343988
Gebunden, 286 Seiten, 20,35 EUR

Klappentext

Die Familie Goldnadel, in den zwanziger Jahren aus Polen nach Frankreich eingewandert, ist auf der Flucht vor der Gestapo. Nach Tagen im Versteck auf einem Dachboden in Paris beschließen die Eltern, sich in die freie Zone abzusetzen und die Kinder nachkommen zu lassen. Der kleine Marcel kommt bei Verwandten unter, seine 17-jährige Schwester Lena findet Zuflucht im Kloster bei den Spanischen Schwestern. Als sie sich in die Nonne Teresa verliebt, wirft sie alle Vorsicht über Bord. Erica Fischer hat in Tel Aviv und Sarajevo, in Istanbul und Krakau, in Paris und San Francisco Männer und Frauen besucht, die ihr ihre Geschichten anvertraut haben - Geschichten von der Liebe im Schatten des Holocaust. Ohne je das Taktgefühl des Herzens zu verletzen, ist Erica Fischer jenen Traumatisierungen auf der Spur, die auch die stärkste Liebe nur selten überwinden kann. Wie in den kleinen privaten Dramen das Entsetzen der Untergangenen und der Geretteten nachhallt, das zeigen diese lakonischen Erzählungen auf eindrucksvolle Weise.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 05.12.2000

Ute Scheub hat sich offenbar vor der Lektüre dieser Geschichten gefragt, ob es auch jüdische Liebesgeschichten gibt, in denen der Holocaust nicht präsent ist. Dies scheint nicht der Fall zu sein, stellt sie fest. Doch findet sie die Erzählungen "dennoch oder gerade deshalb" besonders eindrucksvoll. Scheub erläutert, dass Fischer äußerst unterschiedliche Geschichten von Juden ganz verschiedener Generationen in vielen verschiedenen Ländern zusammen getragen hat. Und so unterschiedlich alle Perspektiven sind: "unbedingt lesenswert" findet sie ausnahmslos alle. Besonders hebt sie die Geschichte einer Frau hervor, die im Ghetto geboren wurde und schon als Säugling in einer Schachtel mit Luftlöchern keinen Mucks von sich gegeben hat - als ob sie die Gefahr geahnt hätte. Deutlich wird nach Scheub in dieser Erzählung, welche Auswirkungen diese frühen Erlebnisse und auch die späteren Verleugnungen der Frau, was ihre Herkunft betrifft, auf ihr späteres Leben hatten - etwa auf ihr Familienleben und ganz besonders auf den Umgang mit ihrem eigenen Kind.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 19.10.2000

Viola Roggenkamp muss sich in ihrer Besprechung dieses Buches mit einer "Kritik in Kürze" begnügen. Die Knappheit lässt leider nicht zu, dass Roggenkamp ihre ambivalente Haltung zu dem Buch auch nachvollziehbar darstellen kann. So kann sie Begeisterung und Ärger über einzelne Elemente dieses Buches nur konstatieren.

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