Im Brennpunkt des Nahostkonfliktes steht der 1948 aus einer einmaligen historischen Konstellation herausgewachsene Staat Israel, dessen Schicksal sich mit dem der ganzen Welt verwoben hat. Dies weckt das Bedürfnis nach einem vertieften Verständnis des Wesens dieser Nation. Ernest Goldberger verschafft dazu einen Zugang, ohne auf die verbreiteten emotionalen Aufladungen, Mythen und Klischees zurückzugreifen. Die sozialpsychologischen und gesellschaftskritischen Analysen werden durch persönliche Erfahrungsbilder und dokumentierte Beispiele illustriert und lebendig.
Etwas zwiespältig findet Ludwig Watzal diese Analyse der israelischen Gesellschaft, die Ernest Goldberger vorgelegt hat. Er kritisiert vor allem die "Einseitigkeit" und "Eindimensionalität", die der Autor an den Tag lege. So schildere er die eine Hälfte der Gesellschaft als "schlicht gut", während er die andere völlig verdamme. Goldberger sehe Israel auf dem absteigenden Ast, spreche dem Land ab, eine Demokratie zu sein, und empöre sich über die fortschreitende Umweltzerstörung, die Aggressivität im Straßenverkehr, die Erschöpfung der natürlichen Ressource Wasser sowie die Atomwaffenindustrie. Dabei zeichne er in vieler Hinsicht ein "Schwarz-Weiß-Klischee" der Realität. Doch trotz seiner Bedenken lobt Watzal das Buch als "interessante und überaus lesenswerte Lektüre". Warum? Weil Goldberger eine Interpretation der israelischen Gesellschaft liefere, die in Deutschland zu oft ausgeblendet werde. "Dies", resümiert der Rezensent, "macht das Werk für den deutschen Sprachraum so wertvoll."
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