Kriegsspiele sind Echo wie Lautsprecher von Kriegsbegeisterung und -hetze, sie erzählen ein dunkles, bislang kaum bekanntes Kapitel der materiellen Kultur: Ritterburgen und Belagerungsspiele, Holzschwerter und Gewehrattrappen bedienten seit Jahrhunderten puerile Phantasien, ebenso die unzähligen Jeux de la Guerre, Games of Bombardement und frühen Kriegssimulationen, die in der Offizierausbildung zum Einsatz kamen. Ähnlich wie Literatur, Plakat und Film doch auf sehr spezielle Weise dienten auch Spiele politischer Propaganda: Je näher der Krieg rückte, desto mehr wurde in den Kinderzimmern aufgerüstet, das Publikum auf Vaterlandstreue eingeschworen. In diesem Band widmen sich international bekannte Spieleforscher dem Verhältnis von Kriegspropaganda und Spiel. Sie analysieren militärische Gesellschaftsspiele von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zur Gegenwart und machen - in einem umfangreichen Bildteil - seltene Spiele und ihre Regeln erstmals zugänglich. Angesichts zunehmender Virtualisierung und Gamifizierung von Krieg erscheint das Thema heute aktueller denn je.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.02.2017
Mit "Agon und Ares" legt der Wiener Kulturwissenschaftler und Spiele-Experte Ernst Strouhal einen Sammelband vor, der aus einer Tagung über Krieg und Spiele hervorgegangen ist. Laut Helmut Mayer ist darin das in der Mitte des 18. Jahrhunderts ansetzende und fast bis in die Gegenwart reichende Spektrum aufschlussreich abgedeckt, von alten Brettspielen über die militaristische Indoktrination vor, während und zwischen den Weltkriegen bis hin zu modernen Computerspielen. Die exzellente Ausstattung mit üppiger farbiger Bebilderung und zwei separaten kommentierten Bildergalerien zu Spielen im Ersten und Zweiten Weltkrieg runden den Band für Mayer ab.
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