Zweisprachig persisch-deutsch, Übersetzung von Kurt Scharf. Seine Verse enthalten zum einen Teil erotische Dichtung von betörender Sinnlichkeit, zum anderen sind sie voll scheuer, keuscher Zärtlichkeit, etwa im Gedanken an die Tochter verfasst. Daneben kreisen sie immer wieder in anrührender Weise um die Themen Exil und Anpassung sowie die Forderungen, welche unsere Zeit an uns stellt. So fragt er sich und uns, was "zeitgemäß" ist und was "unzeitgemäß", was "Sein" und was nur "Dasein" oder "Wesen" ist, wie man seine Wortschöpfung 'hastan' übersetzen könnte. Seine Lyrik ist bald nostalgisch, bald zornig, hier liebevoll und da kühn, aber nie nur beschaulich und erbaulich.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.01.2013
Rezensent Stefan Weidner ist dankbar, dass mit "Am Fenster der Erinnerung" nun ein erster Gedichtband des persischen Dichters Esmail Kho'i auf Deutsch erschienen ist. Der Kritiker liest hier Gedichte von größter innerer Not, die ihm bisweilen ein wenig zu "symbolistisch bedeutungsschwer" erscheinen. Während er den im Londoner Exil lebenden Dichter bei Versen wie etwa den "Zigaretten eines Seufzers" oder dem "bitteren Tee der Melancholie" gern bitten würde, sich ein bisschen zusammenzureißen, muss er doch voller Anerkennung feststellen, dass es Khoi in jedem seiner Texte gelinge, herrliche und treffende Bilder zu finden, die Realität und Gedankenschwere meisterhaft verbinden. Auch mit der viel versprechenden Übersetzung Kurt Scharfs, der versucht, die Musikalität der persischen Sprache nach besten Möglichkeiten nachzuahmen, ist der Rezensent durchaus zufrieden.
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