Eugen Krieger

Die Europakandidatur der Türkei

Der Entscheidungsprozess der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft während der Assozierungsverhandlungen mit der Türkei 1959-1963. Diss.
Cover: Die Europakandidatur der Türkei
Chronos Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783034007603
Kartoniert, 252 Seiten, 32,00 EUR

Klappentext

Seit dem Jahre 1964 befindet sich die Türkei auf dem Weg zur lange erhofften Vollmitgliedschaft, wie sie ihr im damaligen Assoziationsabkommen von den Ländern der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) in Aussicht gestellt worden war. Die heutige Europäische Union (EU) steht offiziell zu den damals geweckten Hoffnungen. Am 2. Oktober 2005 einigten sich die EU-Regierungen nach zähem Ringen auf ein Mandat zur Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit der Türkei. Je näher der Beitritt der Türkei allerdings rückt, desto heftiger wird innerhalb der Unionsländer über dessen Machbarkeit gestritten und der Ausgang der Beitrittsverhandlungen scheint höchst ungewiss zu sein.
Angesichts der gegenwärtigen europäischen Türkeidiskussion fehlt bisher eine umfassende Analyse des innereuropäischen Entscheidungsprozesses während der Assoziierungsverhandlungen mit der Türkei in den Jahren 1959-1963. Eine Untersuchung dieser äusserst wichtigen Phase in den europäisch-türkischen Beziehungen aus der Perspektive der EWG kann aber wesentliche Aufschlüsse über die grundlegenden Aspekte im Verhältnis Europas zur Türkei bringen. Ziel dieses Buches ist es, die nationalen Motivationen auf Seiten der EWG umfassend darzulegen, um damit einen Beitrag zum Verständnis der heutigen Probleme im europäisch-türkischen Verhältnis zu leisten.
Im Zentrum der Untersuchung steht die Analyse von Dokumenten der EWG aus den Historischen Archiven der Europäischen Gemeinschaft in Florenz, die weitgehend als vertraulich eingestuft waren und erst seit kurzem der Forschung zugänglich sind. Die gegenwärtig in Europa oft mehr mit emotionalen Argumenten als mit fundiertem Wissen geführte Türkeidebatte kann damit an historischer Tiefe gewinnen, wodurch der Blick stärker für das Wesentliche geöffnet wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.10.2006

Rezensent Hanns Jürgen Küsters lobt diese Studie Eugen Kriegers als "vorzüglich". Im Mittelpunkt sieht er die Verhandlungen von 1959 bis 1963, die die damalige Europäische Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) mit der Türkei geführt hat und an deren Ende die Zusage der Vollmitgliedschaft stand. Dem Autor gelingt es seines Erachtens überzeugend zu zeigen, was die EWG zu diesem Schritt bewogen hat. Dabei attestiert er dem Autor, die Interessenskonflikte in Ministerien und EWG-Organen über die Anbindung der Türkei, die damals allerdings nicht öffentlich wurden, herauszuarbeiten, und auch auf die Rolle der USA einzugehen. Diese hätten die Unionsländer dazu gedrängt, wegen der geostrategischen Bedeutung im Kalten Krieg der Türkei auf das Land zuzugehen. Für Küsters verdeutlicht die Studie schließlich die Gefährlichkeit von "weltklugen Zusagen", "wenn sie vornehmlich taktischem Kalkül und nicht ernst haft politischer Überzeugung entspringen."
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