Franz Kafka trieb mit seinen Ernährungsgewohnheiten alle in den Wahnsinn. Das lag an seinem legendären Kochbuch.Neben Thomas Mann und Rainer Maria Rilke war auch Franz Kafka Gast in Dr. Lahmans Sanatorium bei Dresden. Er lernte dort das "Hygienische Kochbuch zum Gebrauch für ehemalige Kurgäste" kennen und damit eine Küche, die ins Herz unserer modernen Ernährungsmedizin zielt.
In letzter Zeit findet "geradezu eine Menschwerdung" von Franz Kafka statt, konstatiert Kritiker Elmar Krekeler angesichts des Kafka-Kochbuchs, dessen Geschichte Denis Scheck und Eva Gritzmann aufgeschrieben haben. Bei einem Wellness-Aufenthalt in Dresden hatte Kafka das von Elise Starker verfasste "Hygienische Kochbuch" kennen- und schätzengelernt, so Krekeler. Neben den überraschend poetisch klingenden Rezepten von Ofenschlupfer bis Ägyptischem Kloß lernt der Rezensent auch einiges über Kafkas (manchmal recht zwanghafte) Gewohnheiten in Bezug auf seinen Vegetarismus und seinen Körper und empfiehlt, dringend das eine oder andere Gericht nachzukochen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.08.2025
"Fidi-Pudding", "Pfitzauf" oder "Ofenschlupfer" - Rezensent Paul Jandl freut sich über die poetischen Namen der Gerichte, die Kafka aus dem "Hygienischen Kochbuch" entnahm, das ihm ein Aufenthalt im Sanatorium des Arztes Dr. Lahmann bescherte. Eva Gritzmann und Denis Scheck haben dies hier versammelten Gerichte mit kulinarischen Anekdoten aus Kafkas Lebens angereichert, was dem Kritiker eine durchaus unterhaltsame Lektüre beschert. Denn mit dem Thema Essen hängt bei Kafka, der strenger Vegetarier und vermutlich magersüchtig war, einiges zusammen: Rebellion gegen den Vater, unterbewusste Ängste, Träume und nicht zuletzt die zahlreichen Anspielungen in seinen Büchern, allen voran der "Hungerkünstler". Ist ein Kochbuch von jemandem, der so viele Probleme mit dem Essen hatte nicht ein Widerspruch in sich? Vielleicht, trotzdem eine schmackhafte Lektüre für den Kritiker.
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