Wenn alle deine Freunde vom Felsen springen
Gedichte

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446282537
Gebunden, 128 Seiten, 24,00
EUR
Klappentext
Zweisprachig. Aus dem kanadischen Englischen von Anne-Kristin Mittag und Steffen Popp. "Deine Augen sind ein Hunger geworden", heißt es in einem Gedicht von Eva H.D. Ihre Poesie ist intim und zugleich provokant, sie fragt nach der Möglichkeit der Liebe und stürzt sich dabei ins Chaos unserer Zeit. In blitzartigen Momentaufnahmen scheint hier ein abgefucktes Amerika auf, mit seinen desolaten Bars und kaputten Mythen. Ob die kanadische Dichterin von der stillen Verzweiflung in den Augen einer Person schreibt, an der man auf der Straße vorbeigeht, oder vom drohenden Ende einer Liebe: "Tritt einen Atemzug zurück, / sonst werden wir nichts / als das leere Haus, das uns hält."
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (
Info)
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.07.2025
Rezensentin Meike Feßmann ist hingerissen: Die Gedichte der kanadischen Lyrikerin Eva H. D. klingen rau, klug und "wie gute Popsongs". Sie handeln von verlorenen Sommerlieben, Drogen, Toten auf Familienfeiern - und vor allem vom Wunsch nach Freiheit. "Ich schau noch immer / aus dem Fenster auf die fremde Landschaft meines Lebens", heißt es in einem der Roadtrip-Gedichte, das von Queen, Nirvana und Heimweh erzählt. Ihre Sprache ist schnoddrig und poetisch zugleich, sie beherrscht "die fetten Beats und die leisen Töne", lobt die Kritikerin. Manche Gedichte bestehen aus wenigen Worten - und treffen doch tief. Das Gedicht "Wenn alle deine Freunde vom Felsen springen", besteht aus einem Wort: "Ja." Die zweisprachige Ausgabe versammelt ihre bisherigen drei Bände und zeigt: Hier erklingt eine neue, starke Stimme der Gegenwartslyrik, schließt Fessmann euphorisch.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 12.07.2025
Mit Eva H.D. entdeckt Rezensent André Hatting eine ganz unaufgeregte kanadische Lyrikerin, die ihr Material nicht nur im alltäglichen Leben findet, sondern auch genau dort in Gedichte umsetzt, eine gewisse Ähnlichkeit zu den Beatpoeten um Kerouac kann er nicht von der Hand weisen. "Mit Fäusten/wie unreife Äpfel" schlägt sie sich so durch in der Dichtkunst, schade nur, dass die deutsche Übersetzung oftmals durch Unbeholfenheit im Weg steht, diese Verse und ihre Entdeckungen nachvollziehen zu können, befindet der Kritiker abschließt und ist froh, dass die Ausgabe zweisprachig ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.06.2025
Rezensent Nico Bleutge lernt in Eva H.D.s Gedichten ein alltägliches Kanada kennen, gegenständlich und lebensnah, das in ihren Versen auf besondere Art beleuchtet wird: Der Wind zieht etwa "wie ein wodkadürrer Säufer" durch den Kamin, und "unter dem großen amerikanischen Mond" spielt sich durch Trump Böses ab. Das Gegenständliche wird dabei von ihrer großen Fantasie ergänzt, freut sich Bleutge. Auch die Rhythmik der Sprache wird von den Übersetzern Anne-Kristin Mittag und Steffen Popp weitgehend gut getroffen, auch wenn Bleutge einige Übertragungen aus dem Englischen nicht ganz stimmig erscheinen. Er hätte sich zudem zur besseren Einordnung gewünscht, dass die Herkunft der Gedichte aus den verschiedenen Bänden, die H.D. im Original vorgelegt hat, deutlicher gemacht und vielleicht durch ein Nachwort ergänzt worden wären. Zuletzt gefallen dem Kritiker auch die Straßenszenen, die die Dichterin entwirft und metapoetisch reflektiert, ohne dabei die Form - mal Sonett, mal freier Vers - außer Acht zu lassen.