Juan S. Guse

Tausendmal so viel Geld wie jetzt

Cover: Tausendmal so viel Geld wie jetzt
S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2025
ISBN 9783103976052
Gebunden, 192 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Der eine hat Geographie studiert und arbeitet für Mindestlohn als Friedhofsgärtner in Dortmund, verfügt aber über digitale Assets im Wert von 20 Millionen Euro. Der andere fährt noch seinen verbeulten Volvo-V70-Kombi durch die Gegend, obwohl er sich bald im Neunstelligen sieht. Juan S. Guse hat sich ein Jahr lang mit normalen Männern getroffen, die mit Kryptowährungen reich geworden sind. Keine Developer, keine Hedgefondsmanager, keine Krypto-Influencer, sondern einfach Typen, die zur richtigen Zeit am richtigen Ort waren. "Tausendmal so viel Geld wie jetzt" handelt von ihnen und davon, was ein solcher Klassensprung mit ihnen gemacht hat, was sie an den Versprechungen dieser Technologie angezogen hat, warum es immer Männer sind, wie der Wunsch nach schnellem Geld zu einer Gesellschaft im Krisenmodus passt, warum sich manche Hunde das Leben nehmen und wie sich Guse die 2000 Euro zurückholen will, die er selbst mit Krypto verloren hat.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.07.2025

Rezensent Johann Voigt ist ziemlich zufrieden mit Juan Guses "Mash-up aus teilnehmender Beobachtung, Reportage und Essay", in dem er sich sogenannten "Sleepern" widmet, Männern, die mit Kryptowährungen ein Vermögen verdient haben. Mit soziologischer Genauigkeit und dem nötigen Respekt vor den Menschen beobachte Guse und zeige, was Krypto mit der Klassengesellschaft zu tun hat, mit dem Wunsch nach Reichtum und gleichzeitig Unabhängigkeit und wie selten diese Versprechen von Freiheit letztlich eingelöst werden. Dem Kritiker gefällt zudem, wie Guse surreal anmutende Szenen einbaut, etwa von einer ganzen Salatschüssel Airpods, die sich einer der Krypto-Männer in den Hausflur stellt, oder von einer seltsamen Konferenz in Barcelona. Ihm hat das Buch eindrücklich demonstriert, wie wenig wir alle über Krypto (und die übrige Welt) wissen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.07.2025

Rezensentin Judith von Sternburg sieht in Juan S. Guses neuem Buch weniger eine Anleitung zum Kryptohandel als eine "lakonisch staunende" Betrachtung über junge Männer, die durch "gar nichts" oder zumindest "irgendwelches Zeug" am Computer steinreich geworden sind. Guse interessiert sich für die "Sleeper", die trotz Millioneneinkünften weiter Friedhofsgärtner bleiben oder in schäbigen Wohnungen leben - mit einer "Salatschüssel voller AirPods Pro" neben der Tür. Zwar hält er ironisch Abstand, doch den Neid auf deren Sicherheit kann er nicht unterdrücken. Das Buch ist kein Sachtext, lesen wir, sondern ein postdramatischer Roman mit autofiktionalen Zügen, gespickt mit soziologischer Schärfe, Fantasieausflügen und Realitätssplittern. Wer tiefere Einsichten in Geld, Männlichkeit oder Lebensplanung sucht, wird hier mit Witz und Widerspruch bedient, schließt die Kritkerin.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.06.2025

Rezensent Felix Stephan zählt sich zu jenem Kreis von Insidern und Verehrern eines der "avanciertesten Schriftsteller seiner Generation", dessen Bewegungen von seinen Fans mit Spannung verfolgt, dessen Veröffentlichungen sehnlichst erwartet werden. Denn was dieser Autor von sich hören oder lesen lässt, enttäuscht fast nie, verspricht der Rezensent. Sein Tausendseiten Roman "Miami Punk" hat in bestimmten Kreisen inzwischen jenen Kultstatus erreicht, den einst dessen geistiger Vorfahre: Wallaces "Infinite Jest" einnahm. Sein Auftreten beim Bachmann-Wettbewerb hätte laut Stephan auch als Performance auf der Biennale in Venedig überzeugt. Dass dieser Autor, der sich aus den öffentlichen Räumen des literarischen Betriebs weitestgehend fern hält und hauptberuflich als Soziologe tätig ist, nun seine beiden Berufe zusammen führt, die Form der literarischen Reportage wählt und sich hier brillant einem Lebensstil widmet, den der Autor selbst mit dem Bild des "Stealth Campers" illustriert, erscheint dem Rezensenten nur folgerichtig. Vier Männer hat Juan S. Guse begleitet und porträtiert, die ziemlich plötzlich an sehr sehr viel Geld gekommen sind (Stichwort Krypto), aber eigentlich nicht so richtig wissen, was sie damit anfangen sollen. Denn was ist der übrig gebliebene Traum jener Generation, für die diese Männer stehen und deren "generationelle Urerfahrung", so der Rezensent, die Desillusionierung ist: Den Kapitalismus abschaffen? Nein. Nicht mehr arbeiten müssen, für immer gamen, chillen und Filme schauen - und weiter…?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 07.06.2025

Fasziniert und ein bisschen schockiert liest Rezensent Tobias Rüther Juan S. Guses neues Buch. Porträtiert wird darin eine Art neue Spezies, die der Digitalkapitalismus hervorgebracht habe: die sogenannten Krypto-Boys, Männer zwischen 20 und 40, die in Krypto-Währungen - oder cooler: in "Web3", zitiert Rüther - investieren, dabei an eine bessere Zukunft, manchmal an Jesus und vor allem an sich selbst glauben, gerne klettern gehen - und vor Geld kaum laufen können. Von all dem berichte der Autor und ausgebildete Soziologe (der selbst 2000 Euro durch eine Krypto-Investition verloren hat) neugierig und aus einer spannenden Halbdistanz, vermittelt Rüther: einerseits sehr nah dran an seinem Forschungsobjekt, den Jargon der Krypto-Boys, mit denen er ganze Kletter- und Camping-Trips verbracht hat, schon selbst souverän verwendend. Aber andererseits schwinge in dem "schwebenden" Essay auch eine entwaffnende "Skepsis und Verwunderung" mit, nicht zuletzt "Verwunderung auch darüber, sehr viel Geld interessant an sich zu finden", hält der Kritiker fest. Dass so der Selbstbeseeltheit der Geld-Männer in unaufdringlicher Weise eine "leise Kraft" entgegengesetzt werde, imponiert dem Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.06.2025

Rezensentin Undine Fuchs hat merklich Spaß an diesem Buch, auch wenn sie nicht sagen kann, ob es sich um einen Roman oder ein Sachbuch handelt. Und auch nach der Lektüre kann die Kritikerin nicht sagen, was ein OHM-Token ist, bestens unterhalten wird sie trotzdem durch Guses Geschichte um vier Männer unter vierzig, die sehr viel Geld mit dem Handeln von Krypto-Währungen gemacht haben. Dass der Autor dabei keine Klischees bedient, wenn er die vier Männer skizziert, freut die Kritikerin. Vor allem aber hat sie viel Freude daran, sich in diese unbekannte Welt zu versenken, auch weil Guse seinen Text zwischen Faktizität und Literarizität switchend an Verfahren des New Journalism anlehnt.

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