Eine einfache Geschichte, poetisch und glasklar erzählt: Parker und Kasimir sind als Jungen mit ihrer Mutter aus Polen in die USA ausgewandert, sie sollten es einmal besser haben. Nach diesem Kraftakt hat die Mutter jede Lebenslust verloren, und so sind aus den Brüdern zwei symbiotisch verbundene Einzelgänger geworden, die sich in der Fremde durchschlagen, ohne jemals heimisch zu werden. Parker fährt als Privatchauffeur durch die Nacht, Kasimir verlässt das Haus nie. Als die Vagabundin Luzia bei ihnen einzieht, bringt sie ihre ganze Lebensfreude mit, sprengt damit jedoch die nahezu wortlose Nähe der Brüder. Doch die junge Frau haut nach Panama ab, und da ist klar: Kasimir muss ihr nach, und sei es ans Ende der Welt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.04.2025
"Der zweite Roman ist der schwerste", hält Rezensent Paul Jandl bezüglich Gesa Olkusz' neuem Buch fest, das nun nach langer Wartezeit erschienen ist - die Prüfung hat sie seines Erachtens bestanden. Die Geschichte um die beiden Brüder Kasimir und Parker erinnert ihn an einen "Rorschachtest", bei dem je nach Perspektive immer eine andere Bedeutung aufschimmert: Die Brüder sind gemeinsam mit der Mutter nach Amerika emigriert, der Vater, und darin liegt ein großes Trauma, ist nicht mitgekommen. Sie verarbeiten das jeweils ganz unterschiedlich, so Jandl, der eine mit Schweigen, der andere führt ununterbrochen innere Monologe - ersteren kann erst eine kurze Beziehung aus seinem Schweigen holen. Das nimmt für den Kritiker einen hohen Grad an interessanter Absurdität an, die ihn im besten Sinne an Freud und Kafka erinnert, wie er schließt.
Julian Barnes: Abschied(e) Aus dem Englischen von Gertraude Krueger. Julian Barnes wird im Januar 2026 achtzig Jahre alt. Er weiß, dass die längste Zeit seines Lebens hinter ihm liegt, und er möchte… Elias Hirschl: Schleifen Franziska Denk wächst im Umfeld des Wiener Kreises auf und leidet als Kind an einer seltsamen Krankheit: Jedes Symptom, von dem sie hört oder liest, bekommt sie sofort. In… Dorothee Elmiger: Die Holländerinnen Mit blinkenden Warnlichtern fährt die Erzählerin, eine namenlose Schriftstellerin, an den Straßenrand, als ein unerwarteter Anruf sie erreicht. Am Apparat ist ein gefeierter… Leila Slimani: Trag das Feuer weiter Aus dem Französischen von Amelie Thoma. Mia, erfolgreiche Schriftstellerin in Paris, kämpft mit "brain fog", einem Gehirnnebel, der ihre Erinnerungen und ihre Arbeit beeinträchtigt.…