Abschied
Roman

Carl Hanser Verlag, München 2025
ISBN
9783446284821
Gebunden, 192 Seiten, 24
EUR
Klappentext
Mit einem Nachwort von Volker Weidermann. Raimund ist verliebt. Ungeheuer verliebt. Nur für ein paar Tage ist er aus dem dumpfen Deutschland der frühen Dreißigerjahre nach Paris gereist. Jetzt naht bereits sein Abschied von der herrlichen Teddy, die mit all ihrem Esprit dorthin ausgewandert ist. Umschwärmt wird sie von etlichen in Paris gestrandeten Gentlemen, gegen die Raimund sich behaupten muss. Als wolle er alles für immer festhalten, versucht er, die französische Freiheit mit Teddy zu genießen. Wenn er die Zukunft doch aufhalten könnte!
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 07.06.2025
Rezensent Thomas Schmid liest den postum erscheinenden Roman des Publizisten Sebastian Haffner mit Interesse und als Gegenstück zu Haffners "Geschichtes eines Deutschen", wo der Autor seine eigene Biografie vor dem Hintergrund der Weimarer Republik historisiert. Im Roman bleibt er dagegen individuell, wenngleich ebenfalls autobiografisch und erzählt eine kleine Liebesgeschichte und ihr Ende im bohemehaften Paris der 1930er, erläutert Schmid. Den Stil findet er elegant und jugendlich drängend zugleich, die Geschichte rührt ihn. Das kleine Buch ist nicht zuletzt eine Ode an Paris, bevor es zur Postkarte gerann, findet Schmid.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2025
Freundlich bespricht Rezensent Thomas Ribi Sebastian Haffners Roman, der ursprünglich 1932 geschrieben wurde und nun, nach über 90 Jahren, endlich erscheint. Ribis Text ist zu weiten Teilen ein Porträt des Autors, das jetzt erscheinende Buch nennt er die "flüchtig hingehauchte Geschichte einer Liebe". In deren Zentrum stehen, lesen wir, Raimund - auch Haffner hieß damals noch Raimund Pretzel - und Teddy, sie hatten einst eine schöne Zeit miteinander in Berlin, jetzt besucht er sie in Paris, allerdings schwirren allerlei andere Männer um sie herum. Raimund, so Ribi weiter, nimmt ein bisschen an ihrem Bohemeleben Teil, führt Gespräche mit Teddy ohne tieferen Sinn, während die Stunde des Abschieds immer näher rückt. Dialoglastig und kunstlos direkt ist dieses Buch geschrieben, findet der Rezensent. Insgesamt aber scheint er die Lektüre genossen zu haben. Zudem lässt sich der Roman auch als Porträt einer Generation zwischen den Kriegen lesen, meint er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 03.06.2025
Rezensent Andreas Platthaus liest diesen Roman aus dem Nachlass Sebastian Haffners durchaus gern, auch wenn er sich nicht ganz sicher ist, ob in diesem Buch mehr Vicki Baum oder Aldous Huxley steckt. Oder vielleicht gar ein bisschen Stefan Zweig? Auch diese Verbindung zieht Platthaus in seiner Besprechung dieses Buches, das vom Ende einer Liebesbeziehung handelt. Zwei Tage in Paris umfasst die Handlung des Romans, erfahren wir, Hauptfigur ist Raimund Pretzel - so hieß Haffner damals noch und auch sonst orientiert sich das Buch wohl an tatsächlichen Ereignissen und Personen, wie Platthaus auch im Abgleich mit einer Erinnerungsschrift des Autors herausfindet. In sprachlicher Hinsicht regiert hier ganz der Gefühlsüberschwang, weiß der Rezensent zu berichten, wobei Haffner nicht nur eine Vielzahl von atemlosen Sätzen mit "und" einfließen lässt, sondern auch diverse Wortspiele. Platthaus geht kurz auf Teddy ein, die Frau, von der sich die Hauptfigur verabschiedet und auch auf andere Figuren des Buchs, das in einem internationalen Boheme-Milieu im Jahr 1932 spielt. Der kommende Schrecken ist nur hier und da zu erahnen. Was diesem Buch, das Platthaus nicht unbedingt für große Literatur zu halten scheint, gelingt, ist jedenfalls, ein Gespür für die Zeit, in der es entstanden ist, zu evozieren.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 02.06.2025
Nur wenige Wochen hat Sebastian Haffner 1932 für die Niederschrift dieses Romans gebraucht, weiß Rezensentin Judith von Sternburg, erscheinen konnte er aber erst jetzt, Haffner war vor den Nazis geflohen und das Manuskript hat lange in einer Schreibtischschublade gelegen - und für den eigentlich sehr politischen Autor ist dieses Jugendwerk auch eher ungewöhnlich. Der Protagonist Raimund hat einiges mit dem Autor gemeinsam, erfahren wir, er fährt nach Paris, wo Teddy auf ihn wartet, seine Geliebte, "etwas wüst Weltstädtisches und Ungeheures" liegt ebenso in der Luft wie ein nahender Abschied. Abschied nicht nur von Teddy, so Sternburg, sondern auch von der Welt, wie sie bisher war - dem Lesepublikum im Jahr 2025 ist natürlich klar, wohin das führen wird, weshalb die Lektüre neben den literarischen Qualitäten auch mit einer gewissen unheimlichen Stimmung überzeugt. Die Kritikerin fühlt sich bisweilen an den Ton von Irmgard Keun erinnert und lobt das Buch als nach wie vor "taufrisch".
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 02.06.2025
Sehr gern liest Rezensent Christoph Schröder diesen Roman aus dem Nachlass Sebastian Haffners, der bereits im Jahr 1932 verfasst worden ist und sich in seinem Duktus fundamental von Haffners späteren Büchern über Geschichte unterscheidet. Denn hier schreibt Haffner nicht distanziert, vielmehr steht alles im Zeichen des Unmittelbaren und der Flüchtigkeit von Zeit. Der Erzähler trägt den bürgerlichen Namen des Autors Raimund Pretzel und auch seine Geliebte Teddy, mit der er einst in Berlin zusammen war, ist historisch verbürgt, erklärt Schröder. Teddy besucht noch einmal Berlin, und dabei wird klar, wie sehr die Stadt bereits im Zeichen des einbrechenden Nationalsozialismus steht - deutlich wird hier, wie klug Haffner, der außerdem jede Menge Sprachbewusstsein beweist, die Stimmungen seiner Zeit einzuschätzen wusste. Unter anderem geht es in diesem Buch darum, wie der Erzähler auf die Boheme-Welt Teddys blickt, zu der er selbst als braver Berliner nie so ganz dazu gehört. Wenn für die beiden Liebenden dieses Buches immer wieder nicht genug Zeit zur Verfügung steht, dann verweist das laut Rezensent metaphorisch auch auf die historisch immer knapper werdende Zeit angesichts kommender Katastrophen. Freilich hat Haffner in Schröders Augen nicht nur einen Zeitroman verfasst, der aus heutiger Perspektive fast prophetisch anmutet, sondern auch einen schönen, wenn auch nicht literarisch zeitlos gelungenen Liebesroman, der unter anderem davon lebt, dass Teddy, anders als die Hauptfigur, eine Leerstelle bleibt, dass wir wenig über ihr Innenleben erfahren, was sich in interessant im Leerlauf bewegenden Dialogen manifestiert. Auch das Ende gefällt dem Rezensenten, der insgesamt glücklich darüber ist, dass dieses Buch so lange nach seiner Entstehung das Licht der Öffentlichkeit erblickt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.05.2025
Eine Veröffentlichung zur rechten Zeit ist dieser Roman Sebastian Haffners aus dem Nachlass, findet Rezensent Andreas Kilb. 1932 geschrieben, behandelt er eine Episode aus dem echten Leben des Autors. Im Buch heißt die Hauptfigur, wie Haffner damals selbst, Raimund, und er trifft sich mit Teddy, einer Frau, mit der er eine Liebesaffäre hatte, die nun zu Ende geht. Handlung gibt es nicht viel, aber das stört Kilb nicht, da das Entscheidende, wovon hier erzählt wird, etwas anderes ist, nämlich die kurze Zeit eines flüchtigen Glücks vor der dunklen Zeit, als die die 1930er Jahre ansonsten zumeist in der Literatur dargestellt werden. Eben deshalb lohnt es sich auch, meint der angetane Rezensent, dieses Buch jetzt zu lesen, es gemahne uns daran, dass man den Mächten der Finsternis entgegentreten müsse, um die kurzen Momente des Sonnenscheins zu bewahren.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 31.05.2025
Rezensent Hilmar Klute ist froh, dass dieser Roman von Sebastian Haffner nun wieder aufgelegt wird: "Im frischen Ton seiner Zeit" erzählt er von den letzten Monaten der Weimarer Republik, von dem jungen Paar Raimund und Teddy, das in Paris die Früchte der Existenz als Bohemiens kostet. Handlungsmäßig passiert eigentlich gar nicht viel, so Klute, ihn fasziniert vielmehr die Hellsichtigkeit, mit der Haffner noch einmal auffährt, was Europa an der Freiheit hat und wie leicht das Bürgertum diese Freiheit wieder verlieren kann und wird. Kühn, mit "ästhetischer Sicherheit" und an Irmgard Keun erinnernd, erzählt Haffner so von einer Figur, für die er selbst Pate gestanden hat, Raimund, ein junger Jurist, möchte nicht mehr zurück in ein System, das den Einzelnen zermalmt, lieber will er sich an der schönen Stadt Paris erfreuen, die hier laut Klute "garantiert klischeefrei" präsentiert wird. Ein Roman, der sich, Ende 1932 entstanden, liest wie ein "elegisches Adieu von einer Zeit, in der die glückliche Fügung noch möglich war" und für den Kritiker unbedingt empfehlenswert ist.