die spinne

Droschl Verlag, Graz 2024
ISBN
9783990591642
Gebunden, 96 Seiten, 21,00
EUR
Klappentext
Die Lyrikerin Eva Maria Leuenberger ist bekannt für ihre unter die Haut gehenden Texte. In die spinne werden alle Schutzhüllen abgelegt und der Realität fest ins Auge geblickt.Etwas Endzeitliches haftet dem Langgedicht an, wenn es die Zerstörung der Natur verhandelt. Ohne jeglichen Moralismus und mit viel Zartheit schildert der Text, was mit dem Individuum und dem Körper geschieht, wenn das eigene Bewusstsein eine kollektive Schuld der Menschen entdeckt."die spinne" tastet Gefühle von Schuld und Scham, Ohnmacht und Hoffnungslosigkeit körperlich ab. Es stoßen starke, mächtige Bilder der Natur und subjektiver Wahrnehmung aufeinander. Innere Empfindung und äußere Eindrücke treten in ein faszinierendes Wechselspiel - und die Spinne ist ein immer präsentes Wesen, eine Zuschauerin des Geschehens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 14.09.2024
Apokalyptisch-melancholisch mutet der neue Gedichtband von Eva Maria Leuenberger an, meint Rezensent Björn Hayer, der zwar nicht so überzeugt ist wie von ihren zweivorhergehenden Bänden, aber dennoch einiges bemerkenswert findet: Eine Spinne lauert an der Decke der Wohnung der Ich-Erzählerin, die "in eine abwesenheit/des lichts" geraten ist. Die Sprache ist reduziert und damit "zutiefst ehrlich", was den möglichen Untergang des Planeten angeht, der in den aporetischen Versen verhandelt wird, wie Hayer zusammenfasst.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 14.09.2024
Unheimlich findet Rezensent Jan Drees die Prämisse von Eva Maria Leuenbergers neuem Lyrikband, in dem die Figur "Flügchen" die Hauptrolle spielt und "flügellos/gegen die zeit" in einem Zimmer ausharrt. Bei Leuenberger ist es eine Spinne, die an der Decke hängt und bei Drees Assoziationen an Jeremias Gotthelf und Edgar Allen Poe weckt. Der Band ist reich an Anspielungen, wozu die zurückgenommenen Verse ein gutes Gegengewicht bieten, am Ende bleibt der Wunsch an die Figur "trotzdem./ bleib hier./ bleib", verrät der Kritiker, der den Band auch als Kommentar zur aktuellen Situation der Menschheit überzeugt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2024
Rezensent Nico Bleutge freut sich über diesen Gedichtband von Eva Maria Leuenberger mit ausgeprägter Spinnen-Motivik. Erinnert fühlt er sich dabei an Jeremias Gotthelfs berühmte Geschichte "Die schwarze Spinne", auch wenn die Themen bei Leuenberger vor "säkularem" Hintergrund verhandelt werden: So macht Bleutge Naturzerstörung, Körperlichkeit, Sprachgewalt oder die "Frage nach dem menschlichen Handeln" als Themen im Zentrum dieser Mischung aus Langgedicht und Gedichtzyklus aus, deren kurze Texte - selten länger als eine halbe Seite - um eine Frau kreisen, die nach der Begegnung mit einer Spinne selbst allmählich zur Spinne wird, inklusive fast "erotischer" Verschmelzung, staunt Bleutge. Besonders spannend scheint er dabei den Aufbau des Bandes zu finden, der sehr kunstvoll mit der Zeit und ihrer Stauung spiele, sowie die Paradoxien in Leuenbergers Lyrik, etwa der Gegensatz zwischen "fließender Bewegung und zerstückter Form". Einzig, dass die Autorin hier Themen aus vorherigen Werken wiederholt, lässt Bleutge am Schluss ganz leicht kritisch werden, insgesamt wirkt er aber angetan.