Frankfurt - Paris - Frankfurt
Roman

Schöffling und Co. Verlag, Frankfurt am Main 2024
ISBN
9783895616945
Gebunden, 288 Seiten, 28,00
EUR
Klappentext
Das alte JahrhundertSpätsommer, bald Herbst 1977. Der Erzähler Peter und seine Freundin Sibylle kommen nach Frankfurt am Main. Seit drei Jahren zusammen und immer noch dabei, sich ihr Leben zu erzählen. Peter arbeitet an seinem ersten Buch. Eine Zeit der Anfänge und des Aufbruchs. Die Zeit der Schleyer-Entführung, Straßensperren, Razzien. Peter muss seinen Freund Jürgen über die Grenze nach Frankreich bringen. Später wollen sie sich in Paris treffen. Auf der Fahrt dorthin: Grenzkontrollen, ein Gewitter, nachts der Autounfall in Meaux. Dann Paris, und der Himmel fängt an zu leuchten. Mit ihm die Bars, die Nächte, die Märkte, das Essen, französische Zigaretten und das Leben. Den Roman Frankfurt - Paris - Frankfurt hat Peter Kurzeck schon 1995 vollständig abgeschlossen, später sah er ihn als zehnten Band der Chronik "Das alte Jahrhundert" vor. Es ist das erste vollendete Manuskript aus diesem Romanzyklus - und gleichzeitig das letzte, das erscheint.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 29.11.2024
Das Glück, das Peter Kurzeck beim Schreiben empfand, überträgt sich auch auf den Rezensenten Nico Bleutge. Gehend und wahrnehmend ist Kurzeck immer auf der Suche nach sich selbst in seinen Texten. So auch in diesem Erinnerungsbuch, das in den Neunzigern entstand und zeitlich vor die Trennung von seiner Freundin Sybille springt, die er in vielen anderen Texten thematisiert. Es ist die Zeit des Deutschen Herbsts und Kurzeck gelingt es, so der Rezensent, die "gewaltsame Atmosphäre" dieser Zeit spürbar zu machen, ohne sie "auszustellen". Verstärkt fokussiert Kurzeck auf die prekären sozialen Lebensumstände, seine eigenen und die Anderer, auch das Trinken spielt hier noch eine große Rolle - später wird die Weinflasche durch das "Espresso-Kännchen" ersetzt. Auch an Kurzecks Sprache kann Bleutge den zeitlichen Kontext erkennen, leichtfertig werden hier Begriffe verwendet, die man heute als diskriminierend betrachtet - hier hätte sich der Kritiker gerne eine kritische Einordnung gewünscht. Aber: Tolle Prosa ist das in jedem Fall und so "wahrnehmungssatt", dass die "Dinge anfangen zu sprechen", schließt der sehr angetane Rezensent.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.11.2024
Sichtlich wohl fühlt sich Rezensent Paul Jandl in diesem Buch aus dem Nachlass Peter Kurzecks. Darin begibt sich der Autor, lesen wir, in die wilden 1970er, nach Frankfurt, wohin der Erzähler mit seiner Freundin gezogen ist, vor allem aber auch nach Paris, wohin er seinen Freund Jürgen begleitet. Alkohol und Frauen sind allgegenwärtig in dieser Erzählung, die sentimental, aber im Blick zurück auch stets hellsichtig daher kommt. Kurzeck schafft es laut Jandl, dynamische Gegebenheit in der Sprache still zu stellen, die Sätze sind kurz, aufzählend, die Dinge in der Erinnerung beglaubigend. Ein Proust der 68er-Generation ist Kurzeck für Jandl, einer, der um das Ende der Utopien weiß und gegen das Chaos anschreibt, wobei Trinken und Schreiben unbedingt zusammen gehören. Insgesamt macht das Buch dem Rezensenten klar, wie viel die deutsche Literatur mit Kurzecks Tod verloren hat - so erquicklich und im besten Sinne unruhig wie hier wird Politisches und Privates kaum einmal ineinander geblendet.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.10.2024
"Nochmal nachleben" - das geht mit den Büchern Peter Kurzecks, von denen nun wieder eines aus dem Nachlass erscheint, versichert der überzeugte Rezensent Tilman Spreckelsen. Sein Romanzyklus war eigentlich auf elf Bände angelegt, aber zu Lebzeiten konnten nur fünf erscheinen, jetzt geht es dank Kurzecks Lektor Rudi Deuble weiter: Die Geschichte spielt 1977, es ist die Zeit der Schleyer-Entführung, der Protagonist Peter und seine Freundin Sibylle wollen nach Frankreich, werden an der Grenze zunächst festgehalten und können dann doch nach Paris weiterreisen, erklärt Spreckelsen. Dort kann Peter zum ersten Mal für sich formulieren, dass er Schriftsteller ist, "du sammelst dir deine Bilder zusammen", heißt es über das Schreiben, das den Kritiker in diesem Gestus des Einfangens von Vergänglichkeiten begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.09.2024
Was für ein Glück, dass der Lektor Rudi Deuble diesen Schatz aus dem Nachlass des 2013 verstorbenen Peter Kurzeck geborgen hat, ruft der begeisterte Kritiker Claus-Jürgen Göpfert aus. Der nun vorliegende Band ist Teil der leider unvollendet gebliebenen Reihe "Das alte Jahrhundert" und widmet sich als "wunderbare poetische Beschwörung" Kurzecks Zeit in Paris, insbesondere zur Zeit des Deutschen Herbst 1977, als er mit seiner Freundin vor ständigen Polizeikontrollen aus Frankfurt flieht, so Göpfert. Ihn beeindruckt besonders, wie der Autor staatliche Repressionen und die Zwänge des Bürgertums mit dem freien Pariser Leben kontrastiert. Sinnlich, anregend und mitreißend ist das, schließt der Rezensent.