Warum kann man im Leben nicht alles haben? Man hat doch nur eins!
Marlies zog mitten nach Berlin, als das Leben hier versprach, wild und aufregend zu sein. "No regrets" war schon damals ihr Lebensmotto, und die Jahre gingen ins Land. Nun ist Marlies 49 und fragt sich, wann eigentlich diese entsetzliche Verspießerung ihrer ganzen Umgebung begann. Auch ihr Mann, einst sexy Gitarrist in einer Rockband, ist zu einem antriebslosen Kerl mutiert. Doch der erotische Side-kick, den Marlies sich gönnt, endet mit einer wüsten Bauchlandung. Ein Jobangebot macht es möglich, dass Marlies alles hinter sich lassen und nach Italien verschwinden kann. Aber nicht jedem Neuanfang wohnt ein Zauber inne.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.06.2017
Rezensentin Katharina Teutsch hat kein Mitleid mit den Alltagshelden in Eva Sichelschmidts Kiezroman aus dem Prenzlberger Bötzowviertel: Haben sich selbst reinmanövriert in ihre Neospießbürgerlichkeit. Unterhaltsam findet sie die von Sichelschmidt geschilderten Bitterkeiten aus der Altbauwohnung aber doch. Noch mehr allerdings erschreckend. Denn wie unerbittlich die sämtlichen Versprechen der Nachwendezeit auf Freiheit, Coolness und Alles-anders-als-die-Eltern an bodentiefen Fenstern abperlen, das fährt Teutsch pointenreich in die Knochen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.04.2017
Rezensent Jens Bisky liest Eva Sichelschmidts Romandebüt mit Erschrecken: So geht es also im Prenzlauer Berg zu? Das mühsame Leben der Familienoptimierer mit Loft und Midlife-Crisis lässt sich Bisky von Sichelschmidt allerdings gerne vorführen. Ihr Paar, meint er, erlebt das Missvergnügen der mittleren Jahre, die kleinen Fluchten (Affären, Psychotherapie, Angeln) und die munter fortschreitende Krise der Existenz im "Kreativ-Kleinbürgertum" als Krise einer Stadt, die kein Balzac beschreiben wollen würde. Gesellschaft existiert in diesen Biotopen gar nicht, findet Bisky, Konflikte finden innerhalb des Milieus statt.
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