Eva Weissweiler

Otto Klemperer

Ein deutsch-jüdisches Künstlerleben
Cover: Otto Klemperer
Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2010
ISBN 9783462041798
Gebunden, 320 Seiten, 22,95 EUR

Klappentext

Otto Klemperer, 1885 in Breslau geboren, gilt als einer der ersten Protagonisten der "Neuen Sachlichkeit", der sich in vielen Uraufführungen für die Werke von Schönberg, Bartok, Janacek und Busoni einsetzte. Klemperers Geschichte ist exemplarisch für das Schicksal vieler deutscher Juden, die sich ihrer Religion und ihren Traditionen entfremdeten, weil sie fest an Deutschland glaubten, bis Hitlers Rassenwahn sie aus ihren Illusionen vertrieb. Als Leiter der Berliner Kroll-Oper hat er mit Schönberg, Weill, Strawinsky und vielen anderen zusammengearbeitet, die von den Nazis als "Kulturbolschewisten" diffamiert wurden. Dabei war er im Gegensatz zu seinem berühmten Vetter Viktor Klemperer eher unpolitisch. Er hat es nie verwunden, als "Schädling" aus dem Land, dessen Musik er so liebte, vertrieben worden zu sein, fasste im amerikanischen Exil nie wirklich Fuß. 1947 kehrte er nach Europa zurück. Obwohl er ein sensationelles Comeback in Deutschland hatte, hat er seine letzten Lebensjahrzehnte in England und der Schweiz verbracht, wo er sich wieder der jüdischen Religion zuwandte. Noch mit 74 wurde er Chefdirigent des London Philharmonia Orchestra.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 23.06.2010

Der Untertitel von Eva Weissweilers Biografie des Dirigenten Otto Klemperer wird dieser sowohl herausragenden als auch exemplarischen Gestalt der Musikgeschichte in Wolfgang Schreibers Augen nicht gerecht. Doch davon abgesehen hat Weissweiler eine sehr lebendige, plastische und minutiös recherchierte Lebensbeschreibung vorgelegt, lobt Schreiber, der sich auch über bislang unveröffentlichte Archivfunde freuen kann. Positiv aufgefallen ist ihm zudem, dass Weissweiler nicht ins Hagiografische verfällt. Allerdings bedauert der Rezensent, dass die Kölner Musikwissenschaftlerin und Germanistin nicht auch Klemperers Leben und Wirken nach seiner Flucht aus Nazideutschland ins Exil erforscht hat, auch wenn er Verständnis dafür zeigt, dass die Autorin sich dieser Recherchemühen nicht auch noch unterzogen hat. Eine Zeittafel hätte der Orientierung in der Darstellung allerdings gutgetan, wie der Rezensent leise tadelt.

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