Fang Fang

Glänzende Aussicht

Roman
Cover: Glänzende Aussicht
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2024
ISBN 9783455016789
Gebunden, 176 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Aus dem Chinesischen und mit einem Nachwort von Michael Kahn-Ackermann. Dieser heute in China unterdrückte Roman machte Fang Fang bei seinem Erscheinen 1987 schlagartig berühmt: Erzählt wird das Leben einer einfachen Arbeiterfamilie aus Wuhan aus Sicht des verstorbenen jüngsten Sohnes. Es ist ein drastisches Porträt: Zu elft haust die Familie in einer dreizehn Quadratmeter kleinen Hütte. Schon die Jüngsten lernen stehlen, um ihren Beitrag zum Familienleben zu leisten, Schlägereien sind an der Tagesordnung und zärtlichere Töne rar. Im Schatten eines Vaters, der vor allem mit der Faust erzieht, versuchen die neun Brüder und Schwestern auf je eigene Weise, den Fesseln ihrer Herkunft und den Nachwehen der Kulturrevolution zu entkommen und eine bessere Zukunft zu finden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.07.2024

Eine erstaunliche Veröffentlichung ist das, findet Rezensentin Katharina Borchardt. Die chinesische Autorin Fang Fang erzählt in ihrem ursprünglich 1987 erschienenen Roman vom Schicksal einer Familie in Wuhan, lernen wir, die die Härten der chinesischen Geschichte des 20. Jahrhunderts durchlebt und deren Blick auf die Welt dabei selbst verhärtet. Freundlich oder gar solidarisch ist hier praktisch niemand, heißt es weiter, schon gar nicht der siebte Sohn der Familie, der, nach einer besonders schweren Kindheit, Parteifunktionär und als solcher ein unbarmherziger Machtmensch wird. Sehr mutig ist dieses zwei Jahre vor dem Tiananmen-Massaker entstandene Buch, bewundert Borchardt, die außerdem anmerkt, dass sich das Buch thematisch deutlich abhebt von einer chinesischen Gegenwartskultur, die sich mit Vorliebe der Zukunft oder der Vergangenheit, kaum jedoch der Gegenwart zuwendet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.06.2024

Im Original wurde dieser Roman schon 1986 geschrieben, weiß Rezensent  Mark Siemons, jetzt erscheint er endlich auch auf Deutsch: Die chinesische Autorin Fang Fang geht darin zunächst von einer Familie aus, in der sich elf Personen eine dreizehn Quadratmeter kleine Wohnung teilen müssen, einer davon ist Bruder Sieben, der unter dem Bett seiner Eltern schlafen muss und regelmäßig verdroschen wird. Er entkommt diesen Verhältnissen und wird zum Parteikader, dessen Opportunismus beispielsweise bei der Partnerwahl fast zu einer überhohen Moral wird, weil er die eigenen Gefühle den Sorgen der  Partei hintanstellt, so Siemons. Ihm gefällt der Kniff Fangs, den verstorbenen jüngeren Bruder Acht zum Erzähler zu machen, was dem Roman eine Lakonie verleiht, die den Zynismus dieses Lebens zugleich ausstellt und damit fassbar macht. Ein gutes Buch, um diese spannende Autorin näher kennenzulernen, resümiert der Kritiker.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 02.04.2024

Rezensent Fritz Göttler hat viel Freude an Fang Fangs Roman, der eine chinesische Familiengeschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts entfaltet. Arm ist die Familie, und lebt in Wuhan. Erzählt wird ihre Geschichte vom achten Sohn - und zwar aus dem Grab heraus. Der Erzähler stirbt mit 16 Jahren und beschreibt dies, wie Göttler darlegt, als ein Privileg: die Geschwister haben es nicht leicht, der Vater ist cholerisch, man lebt auf engem Raum, die Kulturrevolution sorgt für weitere Härten. Später macht einer der Brüder Karriere bei der Partei, erfahren wir, andere reüssieren ab den 1980ern im anarchisch entfesselten Kapitalismus. Göttler vergleicht das Buch mit bürgerlicher europäischer Literatur des 19. Jahrhunderts und erfreut sich an Fang Fangs Talent für burleske, aber auch zärtliche Passagen. Hervorragend übersetzt von Michael Kahn-Ackermann ist dieses schöne Buch auch noch, schließt der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 06.02.2024

Es ist eine harte Welt, in der Fang Fangs Roman Rezensent Enno Stahl zufolge spielt. Es geht, ist zu lesen, um das Leben einer Reihe von Geschwistern - der früh verstorbene achte Sohn ist der Erzähler - die in der chinesischen Großstadt Wuhan in ärmlichen Verhältnissen aufwachsen. Der Vater schlägt die Kinder oft brutal zusammen, so Stahl, und auch im späteren Leben, das geschickt die chinesische Geschichte jüngerer Zeit mitreflektiert, haben es viele der Geschwister nicht leicht. Ein Sohn etwa, fährt die Zusammenfassung fort, gerät während der Kulturrevolution unter die Räder, ein weiterer allerdings macht Parteikarriere und schaut fortan auf seine Familie herab. Wunderbar anschaulich und souverän geschrieben ist das außerdem, freut sich der sehr angetane Rezensent.

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