Fatou Diome

Der Bauch des Ozeans

Roman
Cover: Der Bauch des Ozeans
Diogenes Verlag, Zürich 2004
ISBN 9783257064452
Gebunden, 273 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Brigitte Große. Europa ist kein Paradies, auch nicht für Einwanderer aus dem Senegal. Trotzdem will Salies kleiner Bruder Madicke nach Frankreich, um als Fußballer reich und berühmt zu werden. Doch die Träume, die auf der kleinen Insel inmitten des Ozeans ersonnen werden, stoßen auf ein Hindernis: die Wirklichkeit.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 08.12.2004

Der Rezensent Kai Wiegandt ist alles in allem nicht besonders angetan von diesem Erzählband von Fatou Diome, obwohl er dessen Ansatz - "authentische", positive und doch nicht beschönigende Geschichten aus dem Senegal zu erzählen - gut findet und einige Details der Autorin auch gelungen sind. Trotzdem fehlt es den Geschichten nach Wiegandts Meinung an Lebensnähe: "Obwohl man merkt, dass die Autorin mit ihren Figuren viel verbindet, kann der Leser nichts mit ihnen anfangen, weil Diomes Sätze trotz gegenteiliger Bemühungen oft abstrakt bleiben." Zudem verzettelt sich Fatou Diome nach seiner Meinung in Details. Alles in allem findet der Rezensent die Geschichten einfach zu nüchtern: Sie "schildert Alltägliches auf die dürrste Weise".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2004

Frank Wittmann macht zunächst unmissverständlich klar, dass er den Roman der senegalesischen Autorin Fatou Diome den "neokolonialistischen Peinlichkeiten" von Autoren wie Corinne Hofmann oder Ryszard Kapuscinski bei weitem vorzieht. Das Buch, das sich im französischen Original 200.000-mal verkauft hat wie Wittmann informiert, lobt er als "mutigen Roman über die Schwierigkeiten der Interkulturalität", die in einzelnen "charmanten Episoden" über die senegalesische Gesellschaft und über das Leben der Immigranten in Frankreich erzählt. Während ihm die "intellektuelle Leistung" Diomes imponiert, die Gefahr der Interkulturalitäts-Klischees zu umschiffen, sieht er auf der "ästhetischen Seite" dieses Buches zu seinem Bedauern allerdings "keine Entsprechung". Er findet die Geschichten, die die Autorin erzählt, zwar "nett", kritisiert aber, dass Diome ihren Charakteren kaum ein "literarisches Eigenleben" zu schaffen im Stande ist und der Einsatz der "Stilmittel" auch eher "plump" ausgefallen ist. Und so moniert der Rezensent zwar den "beschränkten literarischen Anspruch" des Romans, betont aber wohlwollend, dass er wegen der "charmanten Behandlung tiefgreifender gesellschaftlicher Konflikte" alles in allem trotzdem "lesenswert" ist.
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