Alle machen Hirnforschung. Kaum eine Wissenschaftsdisziplin kann sich wehren, mit dem Vorsatz "Neuro-" zwangsmodernisiert und mit der Aura vermeintlicher experimenteller Beweisbarkeit veredelt zu werden. Die Kinder der Neuroinflation heißen Neurotheologie, Neuroökonomie, Neurorecht oder Neuroästhetik. Der gegenwärtige Neurohype führt zu einer Durchdringung unserer Lebenswelt mit Erklärungsmodellen aus der Hirnforschung. Bin ich mein Gehirn? Nur ein Bioautomat?
Mit einem Stoßseufzer der Erleichterung nimmt Felix Ekardt das Buch des Neurowissenschaftlers Felix Hasler auf, der ihm mit seiner Generalattacke auf die Hirnforschung aus der Seele zu sprechen scheint. Hasler widerspricht den durch die neuen bildgebenden Verfahren auf den ersten Blick so einleuchtenden Behauptungen der Hirnforschung, wonach sich bestimmte Verhaltensweisen in bestimmten Arealen des Gehirns lokaliseren lassen. Dafür sei das Gehirn viel zu komplex aufgebaut, lernt der Rezensent. Der Autor macht für den Publicity-trächtigen Durchbruch der Neurowissenschaften vor allem die lukrativen Forschungsaufträge der Pharmafirmen verantwortlich, die sich neue Absatzmärkte für ihre Medikamente versprächen. Geradezu "faschistoide Tendenzen" attestiert der Rezensent der neuen Konjunktur des verbrecherischen Charakters, seit Wissenschaftler sogar den "Antrieb zu Straftaten" im Gehirn geortet haben wollen.
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