Die Hirnforschung verkündet sensationelle Forschungsergebnisse und kann dennoch nicht erklären, wie Bewusstsein oder Wahrnehmung entstehen. Mehr Hirnforschung bringt nur mehr Klarheit darüber, dass die Antworten nicht einfach und nicht einfach zu haben sind. Wir brauchen also weiterhin und mehr denn je die Philosophie, um zu verstehen, was das "Ich" eigentlich ausmacht. Alva Noë zeigt, wo die Ergebnisse der Hirnforschung zu kurz greifen, und erteilt den Forschern eine klare Absage, die meinen, man könne menschliches Bewusstsein demnächst in der Petrischale erzeugen. Denn der Mensch ist weit mehr als sein Gehirn. Wir sind keine Computer: Die Seele wird uns nicht aufgezwungen. Wir erschaffen sie selbst.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2010
Helmut Mayer fabuliert vom Knie und vom Kopf ohne Körper und kommt zum Schluss, dass das körperlose Hirn eine ziemlich langweilige Angelegenheit wäre, ohne Input, eine leer- und heißlaufende Apparatur. Beim Berkeley-Professor Alva Noe fühlt sich Mayer nicht nur gut aufgehoben mit derartigen Gedanken (im Gegensatz zur gängigen Hirnforschung), sondern sogar bestätigt. Noes "Korrektur" neurowissenschaftlicher Begriffe verfolgt er mit Zustimmung, seine Ausführungen zu Wahrnehmungsprozessen mit Interesse, um festzustellen: Noe entwirft geradezu eine Therapie gegen allzu eingefahrene Perspektiven und Missverständnisse. Lokalisierbar, also, schließt Mayer mit Noe, ist das Denken letztlich nicht, weder im Gehirn noch anderswo, und ohne Körper stünden wir ganz schön kopflos da.
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