In Ankara ist eine neue Theologenschule entstanden. Muslimische Denker haben hier begonnen, zeitgenössische westliche Philosophie zu rezipieren und auf die Koranauslegung anzuwenden. Die Neuansätze erfordern eine interdisziplinäre Auseinandersetzung. Felix Körner bringt Philologie und Philosophie, Islamwissenschaft und Theologie ins Gespräch. Nach einem Gesamtblick auf die islamisch-theologische Szene der Türkei begegnet der Leser vier hochkarätigen Intellktuellen. Sie waren in unseren Breiten bisher unbekannt, stehen selbst aber in lebendigem Austausch mit der Tradition Europas. Eine ernstzunehmende Reform des Islam kann nur von der internationalen Debatte kompetenter Theologen ausgehen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.02.2006
Mit seiner Arbeit über moderne Koranauslegung von türkischen Theologen schließt Felix Körber eine "Lücke", freut sich Rainer Hermann. Denn die Studie stelle "erstmals" die Koranexegese von vier Islamtheologen aus der Türkei vor, die an der Universität von Ankara lehren, erklärt der Rezensent. Mehmet Pacaci, Adil Ciftci, Ömer Özsöy und Ilhami Güler stellen eine neue Generation von Islamtheologen dar, der es nicht darum geht, lediglich Traditionen zu bewahren, sondern die eine "Kontextualisierung des Koran" in den jeweiligen historischen Gegebenheiten erreichen wollen. Körber zeigt die wichtigen Einflüsse deutscher Philosophie auf diese Bewegung, insbesondere der Hermeneutik Gadamers, teilt der Rezensent interessiert mit, der sich von dieser Studie nicht zuletzt den Nachweis erhofft, dass es neben "hasspredigenden Extremisten" eine große "Bandbreite" moderner islamischer Theologie gibt.
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