Jakob Wiedmer, geboren 1876: Welches sind die Zukunftsaussichten für einen Bäckerssohn aus Herzogenbuchsee im Oberaargau? Sein Vater stellt sich gegen eine höhere Schulbildung, hält nichts von "Studiergrinden". Ganz anders die Dorfbewohner. Sie sehen im heranwachsenden Bäcker-Köbi bereits einen künftigen Gemeinderat, Pfarrer oder gar Bundesrat. Einzig die Ausbildung zum Kaufmann steht dem Vielbegabten offen. Während einer dreijährigen Anstellung in Athen entscheidet sich Wiedmer für die Archäologie. Kaum zurück, wird der nun verheiratete Wiedmer-Stern Direktor des Bernischen Historischen Museums. Sein genialer archäologischer Spürsinn eröffnet der Wissenschaft ganz neue Forschungsmethoden, die ihn in der Fachwelt international bekannt machen. Einen nationalen Markstein setzt er mit der Gründung der Schweizerischen Gesellschaft für Urgeschichte. Im gleichzeitig entstandenen Roman "Flut" erkennt der Feuilletonredaktor im "Bund" Josef Viktor Widmann bereits den Nachfolger von Jeremias Gotthelf. Karriere macht der Tausendsassa weiter unter anderem als Finanzakrobat, Erfinder und Diplomat mit ebenso glänzenden Höhepunkten wie dramatischen Abstürzen - ständig bedroht von der Folge einer "heissen und stolzen Stunde" seiner Jugendzeit im Orient.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.07.2020
Rezensentin Kathrin Meier-Rust liest mit Interesse diese Biografie, die das sprunghafte Leben des Archäologen Jakob Wiedmer-Stern nachzeichnet. Wiedmer-Stern ist in der Schweizer Archäologie eine Koryphäe, weil er als reiner Dilettant, ohne Studium eine bemerkenswerte Ausgrabung leitete, an die Spitze der Zunft gelangte und zehn Jahre später alle Ämter und Posten hinwarf. Felix Müller geht nun der Vermutung nach, dass sein rastloser Vorgänger offenbar nicht wie stets behauptet an Rheumatismus litt, sondern an der Syphilis, womit Absturz und die "fahrigen Geschäfte in Konstantinopel" sich auch für die Rezensentin recht plausibel erklären.
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