Die Ostfront, 31. Januar 1944: Ein deutsches Bataillon wird von der Roten Armee überrannt, der Kommandeur fällt im Kampf. Es ist Theodor Habicht, einer der ranghöchsten Nationalsozialisten, die als Offiziere den "Heldentod" sterben. Er hinterließ ein einzigartiges Tagebuch, das für den Historiker Felix Römer Ausgangspunkt einer ungewöhnlichen Biographie ist. Sie offenbart tiefe, zuweilen verstörende Einblicke in die Gedankenwelt eines überzeugten Nationalsozialisten und Wehrmachtoffiziers. Vor allem entdeckt Felix Römer bei Habicht eine enorme Selbstbezogenheit, die ihn in allen Lebensphasen leitete - ein Narzissmus, der auch die NS-Gesellschaft insgesamt prägte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.08.2017
Michael Mayer bekommt mit der anhand von Tagebucheinträgen rekonstruierten Karriere des NSDAP-Politikers Theodor Habicht nicht nur eine Mikrogeschichte des Ostfeldzuges, sondern auch den laut Rezensent durchaus fruchtbaren Versuch des Historikers Felix Römer, den Nationalsozialismus als "narzisstische Volksgemeinschaft" zu beschreiben. Vor allem die Mikrosicht auf die Rekrutierungsverfahren und Korruption innerhalb der NSDAP und auf den Kompaniealltag hat Mayer überzeugt. Dass der Autor nicht zum Moralisieren neigt, sondern stattdessen nach alternativen Erklärungsmustern sucht, scheint Mayer zeitgemäß. Gut geschrieben findet er den Band auch.
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