Der Zusammenbruch der DDR und der Mauerfall kamen völlig überraschend, Kohl nutzte die Gunst der Stunde und leitete die deutsche Wiedervereinigung ein. Das ist die offizielle Lesart - bis heute. Dieses Buch macht mit der Legende Schluss: Die Hauptakteure der Wende wurden keineswegs von den Geschehnissen 1989 überrascht. Vielmehr war sie das Resultat langjähriger konspirativer Verhandlungen und geheimdienstlich gesteuerter Aktionen zwischen West und Ost. Bereits Anfang der 80er-Jahre finden Geheimgespräche über eine größere Öffnung der Mauer statt. 1983 vermittelt Franz-Josef Strauß der wirtschaftlich angeschlagenen DDR einen Milliardenkredit. Doch das bringt nicht dauerhaft Hilfe: 1986 errechnet das Ministerium für Staatssicherheit in einer Studie den wirtschaftlichen Zusammenbruch der DDR in spätestens vier Jahren. 1987 signalisiert Gorbatschow Kohl eine Lösung der deutschen Frage. 1988 wird ihm der erste Vorschlag gemacht. Kohl ignoriert Gorbatschows Anstoß. Später ist Kohls Ziel eine Konföderation, nicht die Wiedervereinigung, denn er bezweifelt, dass er gesamtdeutsche Wahlen gewinnen kann. Es beginnen geheime Treffen direkt hinter dem Todesstreifen bis zum Fall der Mauer. Was geschah hinter den Kulissen? Standen die vermeintlichen RAF-Morde an von Braunmühl, Herrhausen und Rohwedder im Zusammenhang mit der Wende? Und wo blieben die Devisenmilliarden der DDR?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.12.2005
Gar nicht freundlich klingt, was Hanns Jürgen Küsters zu Ferdinand Krohs politischem Enthüllungsbuch "Wendemanöver" zu sagen hat. Alte Informations-Hüte und haltlose Spekulationen verbindet der Verfasser nämlich nach Ansicht des Rezensenten zu einer Kernthese, von der nicht viel mehr bleibt - so Küsters - als "apokryphe Verschwörungstheorien". Wurde die Wende von 1989 von langer Hand von den Geheimdiensten der Sowjetunion und der USA eingefädelt? Der Kritiker hat "erhebliche Zweifel an der Zuverlässigkeit der Schlussfolgerungen" des Autors, bekundet er. Dass dieser sich auf "Quellenschutz" beruft und darum explizite Belege schuldig bleibt, wertet Küsters als Beleg für mangelnde Seriösität. Was menschliches Versagen war oder Ausdruck von Freiheitsdrang, Schabowskis "versehentliche Inkraftsetzung der neuen Reiseregelung" und der Ansturm von Flüchtlingen auf Botschaften in Ungarn, Polen und der Tschechoslowakei - Kroh sieht das Werk der nachrichtendienstlichen Drahtzieher darin. Küsters mokiert sich dann noch darüber, dass der Autor geheime Verbindungen zwischen der Herrhausen-Ermordung, dem Yukos-Ölkonzern, der RAF, dem MfS, der CIA und dem BND sowie arabischen Terroristen suggeriert. Auf seine raunende, dunkelmännische Art und Weise, das macht Küsters in aller Schärfe deutlich, "hat der Band kaum Seriöses zu bieten".
Ferdinand Krohs These, die deutsche Wiedervereinigung sei einzig und allein Ergebnis einer Zusammenarbeit von amerikanischem und sowjetischem Geheimdienst, findet Rezensent Klaus Hildebrand reichlich haltlos. Der Autor möchte in seinem Buch widerlegen, dass der Wandel von 1989/1990 "mit unvermuteter Plötzlichkeit" dahergekommen sei, eine Idee, mit der der Kritiker sich nicht anfreunden mag. Auch die Behauptung, Helmut Kohl habe sich gegenüber die Wiedervereinigungsidee distanziert, um eine gesamtdeutsche Wahlschlappe zu vermeiden, interpretiert der Autor eher als "Versuch, Helmut Kohls historische Leistung als Kanzler der Einheit infrage zu stellen" denn als ernstzunehmenden Ansatz. Schon die "mehr als dürftige" Quellenlage lässt den Kritiker zweifeln: Der Hauptteil des Materials stammt aus Unterhaltungen Krohs mit damals beteiligten "Personen unterschiedlicher Provenienz". Er rät dem Autor deshalb, beim nächsten mal lieber nicht auf "einschlägige Darstellungen zum Untersuchungsgegenstand" zu verzichten.
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