Der stille Freund

Luchterhand Literaturverlag, München 2025
ISBN
9783630878126
Gebunden, 176 Seiten, 22,00
EUR
Klappentext
Ferdinand von Schirach schreibt über die Verletzlichkeit des Menschen, über seine Triumphe und sein Scheitern. Seine Geschichten erzählen von der Gesellschaft, vom Tod und von Verbrechen, von Musik, Film, Malerei und Philosophie. Sie spielen in Berlin, Kapstadt, Rom, Wien und an der Côte d´Azur. Sie berichten von privaten Begegnungen, von historischen Ereignissen und von Persönlichkeiten wie dem Tennisspieler Gottfried von Cramm, dem Architekten Adolf Loos oder dem Wiener Schriftsteller, Schauspieler und Kulturphilosophen Egon Friedell.
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Info)
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 09.10.2025
Rezensent Florian Eichel versucht sich Ferdinand von Schirachs Erfolg zu erklären: Ist es der Mix aus großen Themen wie Liebe und Rache, die Schirach so "handschmeichelnd" zusammenschnurren lässt? Wie auch immer: Schirach-Leser bekommen auch im neuen Erzählband, was sie erwarten, versichert Eichel: Mit "unaufdringlicher Wehmut parfümierte" Geschichten, angenehm "alltagstauglich" verpackt. Nur auf tiefergehende Reflexionen darf Schirach künftig gern wieder verzichten, rät Eichel, der sich beispielsweise fragt, was Orwells "1984" denn mit Verschwörungsdiskursen in den sozialen Medien zu tun haben soll.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.09.2025
Mit gemischten Gefühlen bespricht Rezensent Bernhard Heckler Ferdinand von Schirachs neuen Erzählband, in dem "von der atmosphärisch ultradichten Miniatur bis zum verunglückten Essay" alles dabei ist. Seine Stärke zeige der Autor beispielsweise in "Fehler", wo er den Twist "handwerklich perfekt" setze, oder in der True-Crime-Schilderung zu Adolf Loos. Doch immer wieder stehe ihm sein "unbedingter Wille zur Intellektualität" im Weg. Essays wie "Wirklichkeit und Wahrheit" wirken auf Heckler wie "Feuilleton-Gastbeiträge mit Uraltthesen", durchzogen von prätentiösen Montagetechniken. Dass Schirach zugleich "der beste deutschsprachige Krimiautor" sei, bleibt für den Rezensenten unbestritten - nur werde der literarische Genuss von "niedrigschwelligem" Philosophengehabe getrübt.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 02.09.2025
Rezensent Marc Reichwein bespricht das neue Buch Ferdinand von Schirachs freundlich, weist allerdings darauf hin, dass nicht alles, was der Autor hier fabriziert, auf demselben Niveau ist. 14 Texte versammelt der Band, lesen wir, nicht alle davon sind erzählerischer Natur, vieles ist eher feuilletonistisch, glücklicherweise ohne typische Feuilleton-Krankheiten wie etwa Geschwätzigkeit. Kurz fasst Reichwein die inhaltliche Spannbreite zusammen: Terrorpropaganda wird thematisiert, dito Goethe, mehrmals tauchen Schriftsteller als Figuren auf, außerdem beschäftigt sich Schirach mit Figuren wie Adolf Loos und Egon Friedell. Wahnsinnig originell ist das nicht immer, manches davon hätte vielleicht auch in der Schublade bleiben können, aber Reichwein gefällt doch, dass sich Schirach hier auf neues Terrain vorwagt und nicht alte Erfolgsformeln aufwärmt, zudem fühlt er sich im "Schirach-Sound", der oft in Brecht-Manier auf selbstreflexive Pointen hinaus will, nach wie vor wohl.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk, 29.08.2025
Mit "Der stille Freund" arbeitet Ferdinand von Schirach weiter an seinem neuen Image als intellektueller Schriftsteller, stellt Rezensent Jan Drees fest. Statt skurrile Verbrechen aus strafrechtlicher Perspektive zu analysieren und so die Öffentlichkeit für die Komplexität der Rechtswissenschaft und deren große Dilemmata zu sensibilisieren, widmet er sich seit einigen Jahren und auch in seinem neuen Band verstärkt moralischen und philosophischen Fragen, lesen wir. Vergänglichkeit und die Macht des Erzählens sind die Themen, die sich durch die vierzehn Texte der vorliegenden Sammlung ziehen - darunter autobiografische Erzählungen, Essays über Fake-News und den Einfluss der Sozialen Medien, oder eindringliche kurze Porträts von Schirachs literarischen Vorbildern wie etwa Marcel Proust oder Egon Friedell. Der Rezensent folgt dem Bestsellerautor und ehemaligen Strafverteidiger durchaus mit Gewinn auf diesem Weg in die Innerlichkeit, und doch wünscht er sich auch den alten, den engagierten, den weniger selbstbezogenen Rechtswissenschaftler zurück, denn so einen braucht es in diesen Zeiten dringend, meint er.