Ob sie aus der Sowjetdiktatur oder vor den Nazis fliehen mussten wie Sergei Prokofiew, Arnold Schönberg und Paul Hindemith, ob Militärdiktaturen ihnen ein Weiterleben in der Heimat unmöglich machten wie im Falle Jannis Xenakis und Isang Yun, oder ob sie in einem anderen politischen System ihr wahres Zuhause vermuteten wie Hanns Eisler: Für viele namhafte Komponisten, die im 20. Jahrhundert lebten und wirkten, war das Exil Zwischen- oder gar Endstation. Welche Auswirkungen die erzwungene Lebenssituation auf ihr kompositorisches Schaffen hatte, davon erzählt dieses Buch. In 16 Einzelporträts, verfasst von internationalen Spezialisten, vermittelt der von Ferdinand Zehentreiter herausgegebene und eingeleitete Band ein ebenso anrührendes wie hochinteressantes Kapitel der jüngeren (Musik-)Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.12.2008
Das Problem der Auswahl scheint für Jürgen Otten etwas in den Hintergrund zu treten angesichts der Verdienste des Buches. Darüber, dass Kurt Weill und Ernst Toch fehlen, tröstet sich der Rezensent vor allem mit denjenigen Artikeln hinweg, die das Wesen des Exils und seine Auswirkungen auf den Künstler und sein Werk "nachhaltig" zu benennen vermögen. Das 20. Jahrhundert samt seiner Verwerfungen exemplarisch darzustellen, ist nicht leicht, weiß Otten. Ebenso entschuldigend verweist er auf die dem Herausgeber Ferdinand Zehentreiter und seinen Autoren sich stellende Aufgabe, die Komponistenbiografien und Werkgeschichten auf Form und Inhalt beziehungsweise Ursache und Wirkung hin zu untersuchen, um den Exileffekt zu ermessen. Plausibel gelingt das Max Nyffeler mit Iannis Xenakis, meint Otten. Weniger überzeugt haben ihn die Beiträge über Ligeti oder Hindemith.
Robert Seethaler: Die Straße Die Straße ist nicht im Zentrum der Stadt und nicht an ihrem Rand. Versteckt liegt sie irgendwo dazwischen. Kein Besucher würde sich dorthin verirren, und doch passiert in… Lukas Rietzschel: Sanditz Ein imposantes Bild der deutschen Gesellschaft - von der DDR bis in die GegenwartSanditz, eine Kleinstadt am Rande der Republik. Hier leben alte Offiziere, Bürgerrechtler,… Ben Lerner: Transkription Aus dem amerikanischen Englisch von Nikolaus Stingl. Er reist an die US-amerikanische Ostküste, um das letzte Interview mit seinem neunzigjährigen Mentor Thomas zu führen,… Nelio Biedermann: Lázár Alles beginnt, sogar das Ende, als Lajos von Lázár, das blonde Kind mit den wasserblauen Augen, zur Welt kommt. Seinem Vater, dem Baron, wird der Sohn nie geheuer sein, als…