Aus dem Englischen übersetzt von Jan Valk. Es gab eine Zeit nach Stalins Tod, da glaubten nicht wenige in Ost und West, die Sowjetunion werde den Westen bald technisch und wirtschaftlich überholt haben. Der Sputnik zog seine Bahn durchs All, die Industrie wuchs und wuchs - bis das rote Wirtschaftswunder von der Ideologie erdrosselt und die Ideologie anschließend von der Realität gefressen wurde. Die Maschinen begannen zu rosten, die Menschen resignierten. Diesen Stoff erzählt Francis Spufford wie einen großen historischen Roman: mit Helden, Opfern und Schurken, mit Hoffnungen und Tragödien.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 29.06.2012
Frank Herold staunt über die Waghalsigkeit des britischen Autors Francis Spufford, der, ohne ein Wort Russisch zu sprechen, einen dicken Roman über die Sowjetunion vorlegt. Warum aber sollte man aus der enormen Menge von Literatur zu diesem Thema nun ausgerechnet dieses Buch lesen, fragt der Rezensent und beantwortet die Frage gleich selbst: "Weil es toll geschrieben ist." Für Sätze wie "Stalin war tot, und die Vögel sangen" müsse man Spufford einfach lieben, meint er und lernt aus all den schönen Formulierungen sogar noch Neues, etwa über das Funktionieren und Scheitern der Planwirtschaft. Spufford verbinde politische Essays mit narrativen Elementen um reale und fiktionale Figuren, was das Buch schwer klassifizierbar mache - der Autor selbst betrachte es gar als Märchen, was der Rezensent, schon wegen des ebenso "ehrfurchtgebietenden" wie nützlichen 60seitigen Fußnotenapparats nicht recht nachvollziehen kann. Für ihn ist es "einfach ein völlig verrücktes Buch über eine ziemlich verrückte Zeit".
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