François Jullien

Es gibt keine kulturelle Identität

Wir verteidigen die Ressourcen einer Kultur
Cover: Es gibt keine kulturelle Identität
Suhrkamp Verlag, Berlin 2017
ISBN 9783518127186
Kartoniert, 80 Seiten, 10,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Erwin Landrichter. In der globalisierten Welt geht die Angst vor einem Verlust der kulturellen Identität um, und fast überall formieren sich die selbsterklärten Retter: In Frankreich gibt Marine Le Pen vor, sie "im Namen des Volkes" zu verteidigen, die AfD fordert in ihrem Grundsatzprogramm "deutsche Leitkultur statt Multikulturalismus", und die Identitäre Bewegung ruft gleich in mehreren Ländern mit aggressiven Aktionen zur ihrer Bewahrung auf. Doch gibt es überhaupt so etwas wie eine kulturelle Identität? In seinem neuen Buch zeigt François Jullien, dass dieser Glaube eine Illusion ist. Das Wesen der Kultur, so Jullien, ist die Veränderung. Er plädiert dafür, Bräuche, Traditionen oder eine gemeinsame Sprache als Ressourcen zu begreifen, die prinzipiell allen zur Verfügung stehen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.01.2018

Dirk Pilz empfiehlt François Julliens Gedanken zur kulturellen Identität jedem Bürger und jeder Bürgerin. Provokant im besten Sinn als "herausrufend" aus Denkgewohnheiten, scheint ihm der Essay überzeugend darzulegen, dass der Universalitätsanspruch des westlich-europäischen Denkens in der Begegnung mit anderen Kulturen nur bedingt zu halten ist. Der Autor berührt damit laut Pilz den heißen Kern gegenwärtiger politischer und geistesgeschichtlicher Konflikte: Denn Jullien plädiert für ein rebellisches Universelles, das nicht totalisierend seine eigene Überlegenheit beansprucht, sondern immer weiter den eigenen Horizont erweitert. Wenn Jullien die Zwischenräume zwischen den Kulturellen ausmisst und ihre Spannung erhält, möchte Pilz zustimmen, das nicht gleichartige Gemeinsame im Blick.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.12.2017

Als sehr lesenswerte Studie empfiehlt Rezensent Mark Siemons diesen Essay des französischen Philosophen und Sinologen François Jullien, der aber nicht als Ratgeber zum Diskutieren mit Populisten taugt: Vielmehr liest der Kritiker interessiert, wie Jullien die Vorstellung "sich scharf voneinander abgrenzender kollektiver Kulturen" als Fiktion bewerte und in Zuge dessen eine sorgsame Neubestimmung einiger Begriffe vornehme: Statt von "Unterschieden" solle von "Abweichungen" zwischen den Kulturen und anstelle von "Identität" von "Ressourcen" gesprochen werden, liest der Rezensent, der den Ausführungen gut folgen kann. Ein wenig konkreter hätte allerdings das letzte Kapitel des Essays zum Dialog zwischen den Kulturen ausfallen dürfen, schließt Siemons.
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